Predigt zum Sonntag der Kreuzverehrung (Mk 8, 34 - 9, 1), 15.03.2026

Liebe Brüder und Schwestern,

in Anlehnung an den Ablauf eines Sportereignisses könnte man sagen, wir haben die erste Halbzeit der Fastenzeit hinter uns. Wir feiern heute den dritten Sonntag der Großen Fasten, dieser wird auch der Sonntag der Kreuzverehrung genannt und am nächsten Mittwoch das Fest der Mittfasten.

Wie im Sport, so ist es auch im geistlichen Leben nun ein Moment, in dem einerseits ein gewisser Höhepunkt, im wirtschaftlichen Leben würde man auch sagen, ein Meilenstein erreicht ist. Ein Moment, in dem man auf die erste Halbzeit schaut. In dem man analysiert, was ist gut gelaufen, was nicht so besonders. Ist meine Strategie und Taktik aufgegangen oder muss ich etwas verändern, um letztendlich den Sieg über den Feind davonzutragen.

Welchen Sieg wollen wir erringen, wer ist unser Feind?

Nun, der Sieg ist, wenn wir auf dem Weg zu Gott vorankommen.

Der Feind sind unsere Leidenschaften, die letztendlich Sünden hervorrufen. Sünde heißt ja aus dem Griechischen Verfehlung. Wir haben also, um beim Sport zu bleiben, vorbeigeschossen.

Wie treffen wir das Ziel? Durch Übung. Und dazu ist die Fastenzeit da. Askese heißt übersetzt Training. Wir trainieren uns also, genug Kraft zu entwickeln, um unsere Leidenschaften zurückzudrängen und damit auch nicht mehr oder zumindest nicht mehr zu oft zu sündigen. Dann bekommen wir auch die Kraft, „unser Kreuz zu tragen“, so, wie es auch in der heutigen Lesung beschrieben ist, wozu wir von Christus aufgefordert werden.

Was heißt es denn, das Kreuz zu tragen?

Das heißt, die Herausforderungen, die uns das Leben stellt, zu bewältigen und dabei nicht vom Weg zu Gott abzukommen. Gott hat uns zwar nach seinem Ebenbild geschaffen, doch sind wir alles sehr individuell. Es gibt ganze Wissenschaften darüber, in denen Persönlichkeitsmodelle entwickelt worden sind, um dies zu beschreiben. Diese Individualität spiegelt sich aber auch darin wider, welches Kreuz ein jeder von uns zu tragen hat.

Das betrifft in unserem Inneren unsere speziellen Leidenschaften und den daraus entstehenden Sünden, die wir bekämpfen. Der eine ist mehr den leiblichen Genüssen übermäßig zugewandt, dem nächsten ist das andere Geschlecht nicht gleichgültig, obwohl er eine Familie hat, andere wiederum lieben es, über andere Menschen zu lästern und der Gipfel ist natürlich, wenn jemand der Eigenliebe und dem Stolz verfallen ist. Die Beispiele lassen sich beliebig erweitern. Das ist das innere Kreuz, dass wir zu tragen haben. Wir müssen ran, denn mit diesen Leidenschaften in uns werden wir nicht zu Gott kommen. Wir müssen sie Stück für Stück bekämpfen, ausmerzen.

Doch auch von außen haben wir ein Kreuz zu tragen. Das können familiäre Umstände sein, so kann die Erziehung der Kinder eine besondere und kraftkostende Herausforderung werden. Nahestehende können pflegebedürftig werden oder es gibt Auseinandersetzungen im beruflichen oder auch privaten Umfeld.

Das sind die Prüfungen für uns, das ist das Training, das uns kräftigen soll. Wenn ein Sportler etwas erreichen will, dann absolviert er Trainings. Er stärkt die Ausdauer durch Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren, stärkt die Muskeln durch Krafttraining, stärkt die Beweglichkeit durch Spiele usw.

Auch im geistlichen Leben haben wir die Methoden, um uns geistlich zu stärken. Im Wesentlichen sind diese das Gebet und das Fasten. Und eben das Tragen des Kreuzes durch Annahme der oben genannten Herausforderungen.

Wir lesen im heutigen Evangelium eine Art Bedienungsanleitung für unser Leben.

„Wer mir hinterher nachfolgen will, verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach.“

Sich selbst verleugnen heißt in diesem Zusammenhang, dass wir Gott an die erste Stelle rücken und erst dann über unser eigenes Wohl und unseren eigenen Willen denken.

Wenn wir etwas vorhaben, dann ist eigentlich immer die erste Frage: Ist das, was ich jetzt beginne eigentlich gottgefällig? Wenn ja – prima, los geht’s! Wenn nein, dann besser nicht.

Christus gibt uns aber auch noch eine Warnung auf den Weg. Diese war eigentlich schon immer für die Christen wichtig zu beachten, gewinnt aber heute besondere Bedeutung:

„Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wann er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.“

Wir sehen heute, dass – um es vorsichtig zu formulieren – der christliche Glaube in der Gesellschaft nicht sehr geachtet und geschätzt wird. Maßstäbe, die Gott, die Christus, die Kirche gegeben haben, gelten nicht mehr und werden zum Teil unbewusst, größtenteils aber bewusst ignoriert, ausgehebelt und gar bekämpft. Das Wort vom ehebrecherischen und sündigen Geschlecht ist Realität geworden.

Gott-sei-Dank wird die christliche Gemeinschaft hierzulande nicht physisch bekämpft oder es wird der Versuch unternommen, sie physisch zu vernichten, wie es in anderen Regionen der Welt leider traurige Realität und Gewissheit ist. Doch das oben beschriebene ist auch schon für jeden von uns eine Herausforderung, ein Kreuz.

Wir dürfen uns nicht Christi und seiner Worte schämen, unser Bekenntnis muss wahr sein. Wie erreichen wir das? Und hier kommen wir wieder auf das zurück, was wir eingangs besprachen, durch Askese – also Training.

Die zweite Halbzeit der Fastenzeit steht uns dafür nun zur Verfügung.

Nutzen wir diese, um unseren Sieg über unsere Leidenschaften und Schwächen zu erringen und um zu Christus zu kommen.

Amen.

Jahr:
2026
Orignalsprache:
Deutsch