Predigt zum 4. Fastensonntag über die erfolglosen Jünger (Mk 9, 17-31), 22.03.2026 Beliebt

Liebe Brüder und Schwestern,

wir lasen heute, am vierten Sonntag der Großen Fastenzeit das Evangelium von den erfolglosen Jüngern.

Ein Vater, dessen Sohn schwer geistig krank war, war darüber völlig verzweifelt, dass niemand es schaffte, diesen zu heilen. Selbst die Jünger Christi waren dazu nicht in der Lage, die Besessenheit des Jünglings, der daran schon seit Kindheit litt, zu beseitigen. Welcher Vater, welche Eltern möchten nicht, dass ihre Kinder gesund aufwachsen! Und hier: ein aussichtsloser Fall, keine Hoffnung in Sicht!

Die letzte Möglichkeit, die letzte Hoffnung war für den Vater, sich an Christus zu wenden.

Christus rief aus „O ungläubiges Geschlecht. Bis wann soll ich bei euch sein? Bis wann soll ich euch ertragen? Bringet ihn zu mir.“

Die in der heutigen Lesung beschriebene Situation der Heilung eines besessenen Jungen ereignete sich kurz nach dem Ereignis der Verklärung. Christus kam direkt vom Tabor, vom Berg der Verklärung. Es besteht in diesem Moment eine starke Parallele zu dem, was im Alten Testament passierte, als Moses vom Berg Sinai herabstieg, wo er die Gesetzestafeln Gottes bekam. Er tadelte das Volk der Israeliten, als er zurückgekehrt in das Lager dort Treulosigkeit und Unglauben vorfand. Auch Christus tadelt das Volk, weil es trotz der eben geschehenen Wunder nicht zum Glauben gekommen war.

Und dann geschieht der zentrale Moment. Der Vater bittet ihn um Hilfe und Jesus antwortet diesem:

„Es geht vielmehr darum, ob du zu glauben vermagst. Dem Glaubenden ist alles möglich.“

Die Antwort des Vaters ist eine Offenbarung, denn

„sogleich schrie der Vater des Kindes auf und sagte mit Tränen: ‚Ich glaube, Herr; hilf meinem Unglauben.‘“

Der Vater erkannte, dass er es aus eigener Kraft nicht schaffte. Und hier stellen wir möglicherweise fest, dass dies auch uns passiert. Manchmal reicht unser Glaube einfach nicht aus. Wir legen unser Schicksal nicht in Gottes Hand, versuchen alles selbst zu regeln und scheitern dann gelegentlich auch dabei. Unser Glaube ist von unserem Selbstvertrauen überschattet, um nicht zu sagen, unser eigener Stolz hält uns davon ab, zu Gott zu kommen. Glaube ist auch Vertrauen. Vertrauen darauf, dass ein anderer für uns einsteht, dass uns in schwierigen Situationen geholfen wird, dass wir nicht fallen gelassen werden.

Und häufig erkennen wir es, wenn es fast schon zu spät ist, dass es Jemanden gibt, der uns beisteht, dass Gott selbst unsere Leben behütet, so wie es auch im Psalm heißt.

Manchmal brauchen wir aber als erstes die Unterstützung Gottes selbst dazu, dass wir dieses Vertrauen gewinnen, dass wir glauben. Und hier gibt uns der Vater des besessenen Jungen genau das Beispiel mit seinem Ausruf

„Ich glaube, Herr; hilf meinem Unglauben.“

Wenn wir allein die Kraft nicht aufbringen, zu Gott zu kommen, wenn unsere inneren Hürden dazu zu groß sind, dass wir diese alleine überwinden können, dann bleibt uns nur, Den zu bitten, Der alles kann: Gott.

Nach diesem Schlüsselmoment in der heutigen Lesung entspannt sich dann die Situation – fast, so könnte man meinen. Die Heilung des Jungen war ein Kampf mit dem Dämon, der von ihm ablassen sollte. Es schien, dass der Junge dies nicht überlebt, denn wir lesen, dass er danach wie tot war. Zumindest war die immer noch ungläubige Volksmenge der Meinung, bis das Jesus ihn an die Hand nahm und aufrichtete.

Zum Schluss arbeiteten die Apostel und Christus dieses Erlebnis auf. Die Jünger waren daran interessiert, zu erfahren, warum sie einen Misserfolg erlebten und den Jüngling nicht hatten heilen können. Sie fragten Christus:

„Warum vermochten wir nicht, ihn auszutreiben?“

Die Apostel, inspiriert durch die Tatsache, dass Christus ihnen auf dem Tabor seine göttliche Natur zeigte und ihnen einen Blick auf den ungeschaffenen Glanz gewährte, machten sich auf eigene Faust auf, um zu predigen.

Zunächst läuft alles sehr gut für sie. Die Jünger erzählen den Bewohnern Palästinas überzeugend vom Evangelium, vollbringen Wunder, darunter auch die Austreibung von Dämonen. Aber hier das Scheitern! Sie können dem jungen Mann, der von einem bösen Geist gequält wird, nicht helfen.

Die Apostel vertrauten auf ihre eigene Kraft und vergaßen, wer ihnen Macht über Krankheiten und böse Geister gegeben hatte. Sie ließen sich von einem Erfolg hinreißen, dessen Ursache sie nicht waren, sondern empfingen die Gnade frei und unverdient.

Deshalb wies Jesus sie darauf hin, was ihnen die Stärke verleihen würde, solche Wunder zu tun, solche Heilungen zu bewirken:

„Diese Art vermag durch nichts auszufahren, außer durch Gebet und Fasten.“

Das Vertrauen auf die eigene Kraft betrifft nicht nur die Jünger Christi, sondern uns selbst. Der Fall des von Dämonen besessenen jungen Mannes ist, so seltsam er auch klingt, ein Trost.

Manchmal stehen wir vor ausweglosen Situationen und geben auf, weil wir nicht wissen, wie wir uns oder anderen helfen können. Man bittet uns, aber wir sind unfähig, etwas zu tun. Christus sagt uns geradeheraus: Betet und glaubt. So wie der Vater des armen jungen Mannes gebetet und geglaubt hat.

Er hatte erhalten, worum er gebeten hatte. Wenn wir beten und den Herrn bitten, wird es einen Ausweg geben und die Hilfe wird kommen.

Amen.

Jahr:
2026
Orignalsprache:
Deutsch