Liebe Brüder und Schwestern,
Christus ist auferstanden!
Manchmal geschehen im Leben völlig unerwartete Dinge. Wir planen etwas oder wir denken, dass uns jemand bei einer Sache hilft und dann kommt es ganz anders.
Derjenige, auf dessen Hilfe und Beistand wir hofften, erfüllt diese Erwartungen nicht. An Stelle dessen tritt jemand anderes, steht bei, hilft. Jemand, von dem wir dieses nicht erwartet hätten.
Genau dies passiert auch heute in der Lesung aus dem Markusevangelium.
Zuallererst beerdigte Joseph von Arimathäa den Leib Christi in einer Grabstätte. Wir kennen ja die Beziehung der damaligen Oberschicht, der Herrscher, ihres Gefolges und der religiösen Anführer zu Christus. Sie sahen in Ihm eine Gefahr, eine Bedrohung. Da hätte man nicht erwarten können, dass gerade einer von ihnen sich des Leichnams dessen annahm, der von allen verstoßen worden war und den schändlichen Tod am Kreuze erdulden musste.
Doch manchmal täuscht das Äußere über das hinweg, was innerlich einen Menschen bewegt. Und so war Joseph ein Anhänger Christi, wenn er dies auch nicht in seiner Umgebung kundtat.
Ein christlicher Apologeth prägte einmal den folgenden Spruch: Wenn ich in das himmlische Königtum kommen sollte, dann würde ich mich über drei Dinge wundern. Erstens, dass ich selbst dahin gekommen bin. Zweitens, dass ich dort Leute treffe, die ich eigentlich in der Hölle vermutet hätte. Und drittens, dass ich dort Leute nicht antreffe, die ich mit Sicherheit im Himmel geglaubt hätte.
Wir haben aus unserer irdischen Perspektive nicht den Blick, nicht die Übersicht, alles zu sehen und zu erkennen. Dies ist nur Einem möglich – Gott. Das bedeutet aber auch, dass wir uns mit unseren Urteilen oder gar Vorurteilen zurückhalten sollten, denn wir könnten einfach damit im Unrecht sein und entsprechenden Schaden für uns und andere anrichten.
Doch mit Joseph erleben wir nicht die einzige Überraschung in der heutigen Lesung.
Die Frauen, welche zusammen mit den Jüngern Christus auf Seinem irdischen Weg begleiteten, besorgten wohlriechende Öle, um den Leib des Verstorbenen nach den damaligen Bräuchen einzubalsamieren. Da Maria Magdalene und Maria, die Mutter des Jose, sahen, wo Joseph den Leib begrub, gingen sie mit den anderen Frauen zur Grabstatt.
Auch dies ist ein Moment, wo jemand tätig wird, von dem wir es eigentlich nicht erwarten würden. Die am Nahestehenden waren doch die Jünger! Diese hatte aber die Angst ergriffen und sie flohen. Als sie sich versammelten, schlossen sie aus Furcht von den Juden die Türen ab, damit nicht auch sie gefangen und verurteilt würden. Die Frauen nutzten ihre in der Gesellschaft untergeordnete Stellung und konnten damit ihre eigene Angst und Furcht überwinden. Ihre Herzen sagten ihnen, was zu tun war. Ihr Verstand stellte Fragen: Wie bekommen wir mit unseren begrenzten Kräften den Stein weggewälzt?
Doch auch hier eine unerwartete Wendung: Der Stein war schon weggewälzt. Und es kommt noch dicker. Ein Jüngling im weißen Gewand verkündet ihnen, dass Christus auferweckt sei und nicht mehr in diesem Grabe.
Er gibt ihnen den Auftrag, den Jüngern zu verkünden, dass sie Jesus in Galiläa treffen würden. Also dort, wo Er einen großen Teil Seines irdischen Wirkens tat. Ein Detail ist in dem Ausspruch des Jünglings erwähnenswert, sozusagen die nächste Überraschung.
Er sagt nicht nur, dass sie es den Jüngern mittteilen sollten, sondern er erwähnte auch explizit Petrus.
Erinnern wir uns: Petrus verriet Jesus drei Mal. Er hätte es also verdient, von den Jüngern ausgeschlossen zu werden. Mit dieser Erwähnung aber nahm Gott die Buße Petrus an und beließ ihn im Kreise der auserwählten Jünger.
Die Frauen taten, wie beauftragt. Sie waren natürlich von Furcht erfasst und außer sich. Doch die, von denen man es eigentlich nicht hätte erwarten können, erfüllten eine Mission. Eine Mission, die uns auch heute noch als Christen ins Stammbuch geschrieben ist: vom auferstandenen Christus zu verkünden.
Was nehmen wir also aus dem heutigen Evangelium mit?
Gott hat seine eigenen Pläne, die nicht immer unseren Erwartungen entsprechen.
Wir können die Menschen um uns herum nicht nur nach äußerlichem beurteilen und sind aber selbst zumeist nicht in der Lage, bis in ihr innerstes zu schauen.
Gott vergibt, wie wir am Beispiel von Petrus sehen, auch schwere Sünden, wenn wir diese bereuen.
Abschließend möchte ich heute noch allen unseren Frauen einen herzlichen Glückwunsch, Dank und Gottes Segen zum Orthodoxen Frauentag aussprechen, wie wir diesen dritten Sonntag nach Ostern, den Sonntag der balsamtragenden Frauen auch gern neuzeitlich bezeichnen.
Christus ist auferstanden! Amen.