Predigt zum 4. Sonntag nach Ostern über den aufgerichteten Gelähmten (Joh 5, 1-15), 03.05.2026

Liebe Brüder und Schwestern,

Christus ist auferstanden!

Unser heutiges Evangelium, in dem der Evangelist Johannes von dem aufgerichteten Gelähmten schreibt, besteht aus drei Teilen.

Am Anfang befragte Jesus den seit über 38 Jahren auf Heilung Wartenden, ob dieser wieder gesund werden möchte. Dieser antwortete natürlich, dass dies sein Wunsch sei, er aber bislang keinerlei Chance hatte, in das Becken als erster zu kommen. Er war einfach zu schwach dazu und – noch schlimmer – er hatte niemanden, der sich für ihn einsetzte und ihm half, zügig in das Becken steigen zu können, um die ersehnte Heilung zu erlangen.

Warum letzteres der Fall war, können wir eigentlich nur spekulieren. Es könnte sein, dass sich in der Gesellschaft eine gewisse Hartherzigkeit entwickelt hatte und mit dem Gelähmten niemand eine freundschaftliche Beziehung aufbaute oder ihn unterstützen wollte.

Auch heute treffen wir solche Situationen an, dass selbst in Momenten, in denen jemand offensichtlich Hilfe braucht, er einfach im wahrsten Sinne des Wortes links liegen gelassen wird. Jemand stürzt an einer öffentlichen Stelle und alle gehen an ihm vorbei und wollen nichts mit ihm zu tun haben.

Bitte handelt anders! Als Christen sind wir verpflichtet, anderen zu helfen. Wir haben sogar hier in unserer weltlichen Gesellschaft einen Paragrafen zu diesem Sachverhalt im Strafgesetzbuch:

„§ 323c Unterlassene Hilfeleistung
(1) Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Wenn also schon im Irdischen das anderen Nichtbeistehen in Notsituationen bestraft werden kann, um wieviel mehr sind wir als Christen gehalten, diesen Beistand auch darüberhinausgehend zu leisten.

Es ist ja schließlich auch umgekehrt, dass es passieren kann, dass wir selbst in eine unglückliche Situation geraten und dann auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

Der zweite Moment in unserer heutigen Lesung beschreibt, wie der erfreute Geheilte das tut, was Christus ihm aufgetragen hat. Er nimmt sein Bett und zieht seines Weges. Das tut er am Sabbat, an dem Tag, der Gott gewidmet sein sollte und alle Arbeiten irgendwelcher Art verboten waren. Und er trug nun sein Bett an den Leuten vorbei! Und jetzt kommt es noch verrückter! Wenn ihm schon niemand half, so gehen die Leute um ihn herum noch einen Schritt weiter. Sie verurteilten, dass er damit umherging. Sie sahen ihn 38 Jahre dort am Becken sitzen, wissend, dass er nicht fähig war, sich fortzubewegen. Nun ist ein offensichtliches Wunder geschehen, dieser bewegungsunfähige Mann hat seine Gesundheit erlangt. Anstatt Gott zu preisen, der an Seinem Tag, am Sabbat, diese Heilung bewirkte und sich mit dem Geheilten zu freuen, fingen sie an, denjenigen zu tadeln, der ihnen dieses Wunder mit seinem Gang und dem Tragen seines Bettes dieses offensichtlich aufzeigte.

Auch hier finden wir eine Parallele zum heute. Kürzlich wurde ein Feuerwehrmann dafür bestraft, dass er die Geschwindigkeit in einer Zone, in der man nur 30 km/h fahren durfte, deutlich überschritt. Mehrere Hundert Euro Strafe, 2 Punkte in der Verkehrssünder-Datenbank und ein längeres Fahrverbot waren die Folge. Das bemerkenswerte dabei war, dass er mit dem Feuerwehrauto mit Blaulicht zu einem brennenden Haus unterwegs war. Dieses vielleicht etwas sehr überzeichnende Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, den gesamten Kontext eines Sachverhaltes zu sehen und nicht nur mit Tunnelblick einen bestimmten Vorgang oder eine Tat zu beurteilen.

Als nun in unserer Lesung die Umstehenden den geheilten Gelähmten befragten, wer ihn geheilt hatte, konnte er ihnen in diesem Moment noch keine Antwort geben.

Dies war dann erst nach dem dritten Moment möglich, als sich dann Jesus und er im Tempel begegneten.

Danach findet Jesus ihn im Heiligtum und sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir nichts Schlimmeres widerfahre.“

Das gibt uns schon einmal einen deutlichen Hinweis darauf, warum der vormals Gelähmte krank war. Diese Krankheit diente dazu, in ihm die Umkehr zu bewirkten und sich Gott anzuschließen.

Das lässt eine starke Parallele zur Taufe erkennen. Auch hier ist es ja so, dass wir in einem Taufbecken getauft werden und unsere vorher getätigten Sünden erlassen werden. Und auch hier gehen wir den Weg zu Gott, auf dem wir der Sünde ausweichen sollten, denn eine zweite Taufe wird es nicht mehr geben.

Was nehmen wir also aus der heutigen Lesung mit?

Zum ersten: Helfen wir anderen, wenn sie in Not geraten, das ist unsere christliche Pflicht!

Zum zweiten: Richten wir nicht über andere, wenn wir nicht den Kontext ihrer Handlung verstanden haben!

Zum dritten: Weichen wir der Sünde aus, um unseren Weg zu Gott zu gehen!

Amen.

Jahr:
2026
Orignalsprache:
Deutsch