Liebe Brüder und Schwestern,
dieser Sonntag ist etwas Besonderes. Er liegt genau zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten.
Christus verließ leiblich unsere Umgebung und wir erwarten nun mit den Aposteln die Herabsendung des Heiligen Geistes. Es ist eine Übergangszeit.
So etwas kommt in unserem Leben oft vor. Etwas Altes ist vorbei und wir sind in Erwartung auf etwas Neues. Wir sind einerseits traurig, dass etwas nun vergangen ist und trauern vielleicht auch nach. Doch andererseits verspüren wir eine Vorfreude darauf, auf das, was passieren wird.
Auch in unseren Gebeten tritt eine Veränderung ein. In der Zeit zwischen Ostern und Himmelfahrt begannen wir alles mit dem fröhlichen Bekenntnis, dass Christus auferstanden sei. Welch österliche Freude spiegelte sich in diesen Worten wider! Ab Pfingsten werden wir dann viele Andachten, Gebete und Gottesdienste mit den Worten beginnen:
„Himmlischer König, Tröster, Du Geist der Wahrheit, überall Gegenwärtiger und alles Erfüllender, Hort der Güter und Spender des Lebens, komm und nimm Wohnung in uns, reinige uns von jedem Makel und errette, Guter, unsere Seelen.“
Doch bis es dahin ist, vergeht noch eine Woche. Wie damals die Apostel, so sind wir heute in Erwartung. In Erwartung, dass der nächste Schritt unserer Errettung passiert, dass der Heilige Geist auf uns herabgesandt wird.
In so einer Zwischenzeit ist es ein guter Moment zu reflektieren, ob das, was wir in der Festzeit erlebten, was wir taten, was wir dachten wirklich alles im Sinne Christi war. Es ist aber auch ein Moment nach vorne zu blicken, um gegebenenfalls nachzusteuern, um würdig dann das nächste große Fest, die Herabkunft des Heiligen Geistes zu begehen.
In so einer Zwischenzeit ist es manchmal schwierig zu verstehen, wo stehe ich, und vor allem, was wird mich erwarten. Den Aposteln hatte Jesus damals in seiner Abschiedsrede klar aufgezeigt, was passieren wird. Einen Ausschnitt davon im Evangelium nach Johannes haben wir heute gehört.
Ein Satz in diesem Abschnitt ist – so finde ich – besonders bemerkenswert:
„Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben, damit sie eins seien, gleichwie wir.“
Christus stellt klar, dass Er und Gott Vater eines sind. Das war übrigens auch einer der Hauptstreitpunkte auf dem 1. Ökumenischen Konzil, dessen Gedächtnis immer an diesem Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten gedacht wird. Im Glaubensbekenntnis, das auf diesem und dem nächsten Konzil formuliert wurde, ist das dann auch reflektiert:
„Ich glaube […] an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes einziggezeugten Sohn, den aus dem Vater Gezeugten vor aller Zeit, Licht vom Lichte, wahren Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, den dem Vater Wesenseinen, durch den alles geworden ist, …“
Diese göttliche Einigkeit oder auch Einheit bezieht Jesus in seiner Abschiedsrede auch auf die Jünger – „damit sie eins seien“.
Und das gilt auch heute. Wir sind eins im Glauben. Wir bilden zusammen die Kirche. Wir nehmen in Gemeinschaft an der Kommunion teil.
Das heißt aber auch, dass es unter uns keine Streitereien, Zwistigkeiten geben darf, dass wir nicht gegeneinander Groll im Herzen tragen. Leider ist das immer wieder traurige Realität und weicht damit von dem Einheitsgebot ab.
Natürlich kann es – vor allem in weltlichen Dingen – immer wieder unterschiedliche Ansichten zu dem einen oder anderen Thema geben. Doch sollte es immer möglich sein, dem anderen zuzuhören, versuchen, seine Argumente zu verstehen und nachzuvollziehen, sachlich seine eigene Position zu erläutern und sich letztendlich zu einigen. Das wird nicht immer sofort und gleich gelingen, doch sollten wir auch überlegen, ob die Sache, über die wir unterschiedlicher Meinung sind, wirklich so eine große Bedeutung besitzt, als das man nicht einen Schritt zurückgeht und mit dem anderen Frieden schließt. Ein bisschen Gottvertrauen hilft dabei. Es hilft dabei darauf zu vertrauen, dass Gott schon die Sache zu Ende zu unser aller Nutzen führen wird.
Dies gilt natürlich im Kleinen, wie im Großen. Wir erleben gerade, dass in der Gesellschaft um uns herum alles immer schneller, immer lauter wird. In der nicht mehr zugehört wird, sondern nur das eigene im Vordergrund steht, in der auch die Aufmerksamkeitsspanne gegen Null tendiert. Wir erleben, dass sich vieles immer mehr darin polarisiert, ganz zu schweigen von dem, was sich gerade im globalen Maßstab abspielt.
Hier sollten uns wieder die Worte Christi ins Gedächtnis kommen – „damit sie eins seien“ und uns zum Handeln bewegen. Christi Aufruf an dieser Stelle finden wir immer wieder im Evangelium. Prominentestes Beispiel dafür ist die Bergpredigt mit den Seligpreisungen:
„Selig die Friedensstifter; denn sie werden Söhne Gottes heißn.m“
Neid und Streit sind das Mittel, mit denen der Teufel die Menschen von der Errettung abbringen möchte, das sollten wir immer wieder in den Blick nehmen. Und leider maskiert sich dieser sehr gut, wie auch der Apostel Paulus in seinem zweiten Brief an die Korintherschreibt:
„Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an; es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt von Dienern der Gerechtigkeit annehmen; und ihr Ende wird ihren Werken entsprechen.“ (2Kor 11,14)
Bewahren wir also unsere Einigkeit, so wie es Christus uns aufgetragen hat. Erkennen wir, dass aller Streit und Zwistigkeit, im Kleinen, wie im Großen Teufelswerk ist und uns vom eigentlichen – vom Fortschreiten auf dem Weg der Errettung abhalten soll.
Amen.