Liebe Brüder und Schwestern!
Die heutige Lesung handelt von Besessenen, von Dämonen und von Schweinen. Eine seltsame Konstellation! Was wollen uns die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas mitteilen, denn bei all den drei synoptischen Evangelien ist diese Passage enthalten?
Das wichtigste der Geschichte lesen wir in den letzten beiden Sätzen der heutigen Lesung:
„Und siehe, die ganze Stadt ging hinaus, Jesus entgegen, und als sie ihn sahen, baten sie, dass er aus ihren Grenzen weggehen möge. Und er stieg in das Boot, setzte über und kam in seine eigene Stadt.“
Die Bewohner der Stadt wollten sich nicht Christus anschließen. Ihnen war es egal, dass sie mit dem Lebenswandel, den sie führten, gegen Gottes Gesetze, die sie über Moses bekommen hatten, verstießen. Wir erinnern uns: laut den mosaischen Gesetzen galten Schweine als unrein, diese zu züchten und dann auch zu verspeisen war demzufolge gegen das göttliche Gesetz gerichtet. Ihnen war das Leben im Diesseits, hier auf Erden wichtiger, als sich auf das kommende, das ewige Leben vorzubereiten.
Und so waren sie quasi mit Abblendlicht auf ihrem Lebensweg unterwegs – ohne Weitsicht – und erkannten nicht, dass sie damit in die falsche Richtung sich begaben.
Die Kunde von denjenigen, welche die Heilung erlebten, wurde ignoriert. Und sogar noch ein Schritt weiter geschah, das Jesus gebeten wurde, „dass er aus ihren Grenzen weggehen möge“.
Das Bemerkenswerte daran: Jesus entsprach ihrem Wunsch ohne Widerspruch. „Und er stieg in das Boot, setzte über und kam in seine eigene Stadt.“
Kommt uns das bekannt vor?
Leider ja. Schauen wir um uns. Jesus, der Glaube und die Hoffnung auf das ewige Leben kommen in unserer Gesellschaft quasi überhaupt nicht mehr vor. Moralische Gebote oder Tugenden werden nicht mehr beachtet, geschätzt und eingehalten. Im Gegenteil, dass was uns vom rechten Weg abbringt, wird sogar laut propagiert und wehe, man schließt sich nicht diesem Treiben an. Es gehört schon eine starke Portion Standfestigkeit dazu, diesem Entgegenzustehen, von Entgegentreten ganz zu schweigen.
Die Gergesener sind also quasi die Prototypen für diejenigen, die bewusst das Evangelium ablehnen, sich eher dem weltlichen widmen, anstelle sich um das geistliche Leben zu kümmern und sich auf das ewige Leben nach dem irdischen Tod vorzubereiten.
Jesus zieht also weiter. Er tritt nicht mit Gewalt in das Leben eines einzelnen ein. Wenn Du nicht mit Gott sein möchtest – Deine Entscheidung!
Jesus kommt dorthin, wo der Boden fruchtbar ist, wo sich das Herz des Menschen für ihn öffnet, wo Mensch und Gott in einer Synergie zusammenwirken.
Vor dieser Wahl für oder gegen Gott steht jeder, sobald ihm bewusstwird, dass das, was wir hier vorfinden, nicht ewig ist, dass da mehr sein muss.
Klar, können wir verdrängen. Wir können in unserem Leben diese Fragestellung wegschieben. Wir können diese für später aufheben – auf die berühmte „lange Bank“ schieben, dem gefährlichsten Möbelstück!
Doch sind wir nicht imstande einzuschätzen, wieviel Zeit uns hier auf Erden verbleibt. Klar, die durchschnittliche Lebenserwartung steigt. Doch auch hier greift eine Volksweisheit: „Der Dorfteich war im Durchschnitt 1 m tief – und trotzdem ist die Kuh ersoffen!“
Wir können unser Ableben nicht vorhersehen, nur eines ist sicher, eines Tages ist es soweit. Und bis dahin sollten oder noch besser, müssen wir unsere Beziehung zu Gott geregelt haben!
Natürlich können wir uns mit allem Schönen, Wichtigen und Unwichtigen dieser Welt betäuben. Doch alle diese Bewusstseinsnarkosen sind nur von kurzer Dauer und haben unter Umständen erhebliche Nebenwirkungen.
Und da sind wir bei den Schweinen und den Dämonen in der heutigen Lesung angelangt.
Wo Gott nicht ist, da füllt sich die geistige Leere mit anderem. Mit Gedanken aller Art, die nicht auf Tugendhaftigkeit hin ausgerichtet sind. Häufig wissen wir schon gar nicht mehr, was eigentlich Tugenden sind. Mit Gedanken, die uns schaden, die uns immer weiter weg von Gott bringen und uns in eine völlig falsche Richtung laufen lassen. Mit Gedanken, die uns letztendlich körperlichen und vor allem geistlichen Schaden verursachen.
Habe ich zum Beispiel Gedanken, mich zu betrinken, weil es mir Spaß macht oder weil ich meinen Kummer ertränken möchte, wird – wenn ich das dann in die Tat umsetze – der Körper leiden. Wie sagte ein bekannter Arzt: „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben.“ Zudem leidet meine Psyche, mein seelisches und geistiges Leben – insofern letzteres überhaupt existiert – und es entstehen Abhängigkeiten. Ich fokussiere mich nur noch auf dieses eine und meine Beziehungen zu den Mitmenschen und zu Gott leiden darunter. Der Beispiele könnte man viele hinzufügen.
Und es gibt nur Einen, der uns helfen kann, dieses zu vertreiben. Das wird uns eindringlich in der heutigen Lesung aufgezeigt. Jesu hat Macht über alles und so auch über die Dämonen. Er lässt sie in die Schweine fahren, die hier das Symbol für das Abwenden des Menschen von Gott zur Sündhaftigkeit hin sind. Die Schweineherde kommt um, sie stürzt sich unter dem Dämoneneinfluss in den See. Und das ist genau die Warnung: wenn wir uns weiter allein dem Sündigen hingeben, wenn wir Gott außen vorlassen und ihn wegschicken, dann wird das Ende ein schreckliches sein.
Nehmen wir das heute gelesene über die Heilung der Gergesener in uns auf und schicken wir Gott nicht weg, sondern lassen wir Ihn in unser Herz
Amen.