Predigt zum Hochfest der Allerheiligsten Dreiheit (Pfingsten) (Apg. 2:1-11; Joh. 7:37-52; 8:12) (08.06.2025)

Liebe Brüder und Schwestern,

 

am Pfingsttag vereinigte sich der Mensch mit Gott, denn „durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einem einzigen Leib aufgenommen (…) und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt“ (1 Kor. 12:13). Durch die Taufe mit dem Heiligen Geist (s. Mk. 1:8; Apg. 1:5) – das Mysterium der Myronsalbung – wurden wir zudem alle zum Tempel Gottes und zur Wohnstatt des Heiligen Geistes (s. 1 Kor. 3:16), d.h. zu Gliedern der Kirche Christi, dem „Pfeiler und Fundament der Wahrheit“ (s. 1 Tim. 3:15). Gott will von uns „im Geist und in der Wahrheit“ angebetet werden (Joh. 4:23-24). „Für euch aber gilt: Die Salbung, die ihr von Ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr braucht euch von niemandem belehren zu lassen. Alles, was Seine Salbung euch lehrt, ist wahr und keine Lüge. Bleibt in Ihm, wie es euch Seine Salbung gelehrt hat“ (1 Joh. 2:27). Und nur wer „aus Wasser und Geist geboren wird“ kann in das Königtum Gottes kommen (Joh. 3:5). Deshalb also die Niedersendung des Heiligen Geistes in die Welt und die Gründung der Kirche. 

Der Heilige Geist wirkte aber bereits bei der Erschaffung der sichtbaren Welt (s. Gen. 1:2). Zusammen mit dem Vater und dem Sohn war Er auch Schöpfer der unsichtbaren Welt: „Durch das Wort des Herrn sind die Himmel befestigt und durch den Geist Seines Mundes all ihr Heer“ (Ps. 32:6). Und nach Erschaffung des Menschen wirkte Er in auserwählten menschlichen Gefäßen schon lange vor der Ankunft Christi (s. z.B. Ex. 31:3; Num. 11:17; 24:2; 1 Kön. / 1 Sam. 10:10; 11:6; 19:20; 2 Chr. 15:1; Nehem. 9:20,30; Hiob 27:3; 33:4; Ps. 142:10; Jes. 41:1; 44:3; 48:16; 59:21; 61:1; Ez. 11:24; 36:27; 37:14; Dan. 4:5; Hag. 2:5; Apg. 1:16). Durch Ihn nahm der Logos menschliche Gestalt an (s. Mt. 1:18; Lk. 1:35), Er stieg bei der Taufe im Jordan auf den Menschensohn herab (s. Mt. 3:16;  Mk. 1:10; Lk. 3:22; Joh. 1:32,33) und wirkte von da an in Ihm (s. Lk. 2:25; 4:1,14,18). Doch während der irdischen Mission des Sohnes Gottes war der Heilige Geist noch nicht in Seiner ganzen Fülle erschienen; das sollte erst geschehen, nachdem Christus durch Sein Leiden und Seinen Tod verherrlicht worden war (s. Joh. 7:39). Es war die Zeit, als das Königtum der Himmel durch den Gesalbten Gottes verkündet wurde (s. Lk. 6:18-19; vgl. Jes. 61:1-3a). Gott war da in Person des Mensch geworden Logos in der Welt, Welcher aber durch die Begrenztheit der menschlichen Natur nicht allgegenwärtig und nicht endlos auf Erden war. Das änderte sich durch die Ankunft des Heiligen Geistes, denn von nun an ist Christus bei uns „alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt. 28:20). Der Heilige Geist konnte die Jünger darüber hinwegtrösten, dass Christus nicht mehr dem Leibe nach in dieser Welt war (s. Joh. 16:7). Sein Königtum ist aber schon in dieser Welt präsent, und zwar durch die Kirche des Heiligen Geistes, Der vom Vater ausgeht (s. Joh. 15:26). „Er ist der Geist der Wahrheit, Den die Welt nicht empfangen kann, weil sie Ihn nicht sieht und nicht kennt“ (Joh. 14:17a). Und Christus spricht zu allen, die in der Gemeinschaft Seiner Kirche verbleiben: „Ihr aber kennt Ihn,, weil Er bei euch bleibt und in euch sein wird“ (14:17b). Ohne Ihn gibt es kein Heil in Christus (s. Apg. 19:1-7).

Nach Seiner Auferstehung hauchte der Herr Seine Jünger an und sprach: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (Joh. 20:22b-23). Dies war erst die Ankündigung der Niedersendung des Heiligen Geistes (hll. Johannes Chrysostomos, Theophylakt v. Ochrid), die am fünfzigsten Tag nach der Auferstehung erfolgen sollte, also noch nicht die verheißene Aussendung des Heiligen Geistes an sich (s. Joh. 14:26). Vielmehr war es die Vermittlung der Gnadengabe, Sünden zu vergeben bzw. die Vergebung zu verweigern. Wie irdische Statthalter im Namen ihres Kaisers im ganzen Reich die Rechtsprechung ausübten, so werden es die Aposteln des Herrn und ihre Nachfolger in der ganzen Welt tun, so der hl. Johannes Chrysostomos. Nicht in ihrem eigenen Namen sollten sie dies tun, sondern im Namen des Herrn! Auch das ist ein sehr bedeutendes Merkmal der Kirche, die das Königtum Gottes auf Erden ist, und zugleich ein schlagendes Argument gegen Sektierer, welche die priesterliche Macht der Sündenvergebung ableugnen und die besondere Gnade des Priestertums negieren. Zudem erneuerte der Herr am Abend des ersten Tages der Woche in Person der hinter verschlossenen Türen versammelten Jünger (s. Joh. 20:19) Seinen göttlichen Lebensatem im von Ihm geschaffenen Menschen (s. Gen. 2:7), und dies war das Fanal für die Erneuerung des Menschen im Heiligen Geist (s. Ps. 50:12). Nach dem Sündenfall lebten nämlich alle Wesen aus Fleisch verdorben auf der Erde (s. Gen. 6:12). Durch die Erneuerung des Menschen nach der Niedersendung des Heiligen Geistes durch Jesus Christus haben wir alle die freie Wahl zwischen einem Leben nach dem Fleisch und einem Leben nach dem Geist. Und nur wenn wir uns vom Geist leiten lassen, werden wir das Begehren des Fleisches nicht erfüllen, „denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist, das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch; beide stehen sich als Feinde gegenüber, so dass ihr nicht imstande seid, das zu tun, was ihr wollt“ (Gal. 5:16-17, vgl. Röm. 7:14-15). Was bedeutet das für uns? - „Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder, so dass wir nach dem Fleisch leben müssten. Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber nach dem Fleisch die (sündigen) Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben“ (Röm. 8:12-13), „denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist“ (Röm. 14:17) und „Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben“ (1 Kor. 15:50a). Amen.

Jahr:
2025
Orignalsprache:
Deutsch

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