Predigt zum 14. Samstag nach Pfingsten (1Kor 2,6–9; Mt 10,37–11,1) (13.09.2025)
Details Eintrag
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amin.
Lieber Vater, liebe Gläubigen,
am heutigen Samstag vor Kreuzerhöhung haben wir im heiligen Evangelium gehört: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig“ (Mt 10,37). Mit diesem Vers ist nicht gemeint, dass man seine Eltern nicht lieben soll. Trotzdem fordert Er – der Mensch und Fleisch wurde, um die ganze Menschheit anzunehmen und uns durch die Vergebung der Sünden zu erlösen –, dass wir Gott mehr lieben als alles andere auf der Welt. Wären also unsere Eltern gegen Gott, so müssten wir dennoch zu Christus halten, dies ist gemeint, wenn Er sagt: „Wenn einer zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und die Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern und auch noch seine eigene Seele, so kann er nicht mein Jünger sein“ (Lk 14,26). Inwiefern kann man aber seine eigene Seele hassen? Dazu erklärt der Hl. Makarios der Große, dass in uns eine zweite Seele heranwächst, wenn wir eine Liebe zur Sünde entwickeln, eine Seele der Sünde. Diese andere, schwarze Seele sollen wir hassen.
Weiter hieß es: „wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir hinterher nachfolgt, ist meiner nicht würdig“ (Mt 10,38). Das Kreuz auf sich zu nehmen bedeutet, dass wir alle Leiden, alle Qualen, alle Verfolgungen im Gebet tapfer ertragen sollen, denn dadurch folgen wir Christus nach. Und das heißt auch, dass wir darauf vorbereitet sind, wenn nötig, den Kreuzestod auf uns nehmen zu können. Das Kreuz, das menschlich wie eine Niederlage erscheint (vgl. 1Kor 2,6), bedeutet in der Weisheit Gottes, all unsere irdisch-weltlichen Annehmlichkeiten und Leidenschaften in uns abzutöten und alles, was uns von Christus trennt, zu hassen. Dazu müssen wir der Welt sterben und uns selbst verneinen, um in den Tugenden Christi aufzuerstehen. Dabei machen uns nicht die Leiden an sich würdiger vor Gott, sondern durch die Leiden können wir Christus nachfolgen, der als Gottmensch den Leidensweg bis zum Tod am Kreuz ertrug. Dies birgt eine Göttliche Logik, die die Welt nicht versteht, denn sonst „würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben“ (1Kor 2,8).
Christus spricht auch: „Wer seine Seele gefunden hat, wird sie verlieren, und wer seine Seele verloren hat um meinetwillen, wird sie finden.“ (Mt 10,39). Christus will, dass wir nicht egoistisch für uns selbst leben, sondern Ihm unser ganzes Leben hingeben, bis zur völligen Selbstverneinung. „Wer egoistisch sich selbst gehört, wer seine Seele nur mit dem Körper umgibt, wer mit sich selbst und für sich selbst lebt, um sich selbst zu erhalten, der bringt sich um, tötet sich, denn es gibt kein Geschöpf, das durch sich selbst leben könnte, in sich selbst und nur von sich, sondern jede Seele lebt mit Christus Gott durch andere Geschöpfe Gottes.“ (Hl. Justin von Celije). Daraus wird klar, dass wir die Gemeinschaft mit dem Nächsten benötigen, um die Selbstverneinung zu erlernen. Daher ist der heilige Bund der Ehe und die Familie, das koinobitische Mönchtum, in dem viele Mönche gemeinsam in einem Kloster leben, und auch das Leben in der Kirchengemeinde ein Weg zur Erlösung. Wenn wir es in der Gemeinschaft schaffen, ein geheiligtes, verchristlichtes, vergöttlichtes Leben zu führen, dann finden wir ewigen Sinn, ewiges Leben und ewige Seligkeit und sind beschützt vor Verderben, Tod und Teufel.
Durch die heiligen Mysterien der Kirche und die Tugenden siedelt Sich der Herr Jesus Christus peu à peu in uns, Seinen Schülern, an, und wir werden zu Christusträgern (vgl. Hl. Justin). Daher spricht Er: „Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.“ (Mt 10,40), denn Christus hat uns nicht nur eine bloße Lehre hinterlassen, sondern vielmehr als das: Er hinterlässt uns Sich Selbst, Seine Persönlichkeit. Dadurch unterscheidet sich Christus von anderen Lehrern und dadurch unterscheiden wir uns von anderen Schülern. Als Christusträger aber können wir der Welt den einzig wahren Gott bringen und in Christo die Menschheit von ihren schlimmsten Feinden retten: der Sünde und dem Menschenfeind von Anfang an. Wer dieses Werk der Christusträger auch nur mit „einem Becher kalten Wassers“ unterstützt (Mt 10,42), wird bereits belohnt werden.
Daher lasst uns vorbereiten auf dem Trainingsgelände der heiligen Kirche mittels unserer heiligen Mysterien, die uns zur Stärkung unseres Laufs dienen. Und lasst uns Gott priorisieren, Ihm unser ganzes Leben hingeben und Ihn lieben, Der die Liebe und das Licht ist, indem wir in der Göttlichen Liturgie sprechen: „Ich will Dich lieben, Herr, meine Stärke. Der Herr ist mein Halt, meine Burg und mein Befreier.“ Lasst uns versuchen, die Liebe Christi in jedem Menschen zu erkennen, um nicht egoistisch uns selbst zu leben, sondern uns selbstlos in den Dienst des Nächsten zu stellen, denn der Herr wusch die Füße Seiner zwölf Apostel. Dann, liebe Brüder und Schwestern, dürfen wir uns eines Lohnes versichert sein, den der Herr uns vorbereitet hat im Himmel, einen unübertrefflichen Lohn, den „kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist“ (1Kor 2,9).
Ehre sei Dir, o Gott, für alles. Amin.