Predigt zum Hochfest des Entschlafens der Allerheiligsten Gottesgebärerin (Phil. 2:5-11; Lk. 10:38-42; 11:27-28) (28.08.2025)
Details Eintrag
Liebe Brüder und Schwestern,
das Fest der Entschlafung der Mutter unseres Herrn bildet den letzten Höhepunkt des Kirchenjahres. Welche Lehren können wir aus diesem in der ganzen orthodoxen Welt so beliebten Fest ziehen?..
Aus der kirchlichen Überlieferung ist bekannt, dass die heilige Jungfrau Maria sehnlichst auf Ihren Heimgang gewartet hat bis Sie durch den Erzengel Gabriel die freudige Kunde erhielt, dass Ihr Übergang von dieser unvollkommenen Welt in die selige Gemeinschaft mit Ihrem Sohn und unserem Erlöser Jesus Christus kurz bevorsteht. Nicht zuletzt daraus können wir die für uns tröstende Gewissheit nehmen, dass das Ende des irdischen Lebens das Ende aller Trübsal sowie allen Wehklagens und gleichzeitig den Beginn des ewigen Lebens mit Christus Gott, der Allerheiligsten Gottesgebärerin, den Engeln, den Heiligen sowie mit sämtlichen im Glauben an die Auferstehung entschlafenen Christen sein wird. So werden wir mit dem Psalmensänger aussprechen: „Du wirst mich hinausführen aus der Schlinge, die sie mir verbargen, denn Du bist mein Beschützer, Herr. In Deine Hände lege ich meinen Geist: Du hast mich erlöst, Herr, Gott der Wahrheit“ (Ps. 30:5-6). Aber ein abstrakter oder auch nur auf äußere Frömmigkeit beruhender Glaube reicht nicht dafür, um im Augenblick unseres Hinscheidens aus dieser Welt das Antlitz Christi freudevoll schauen zu können. Die uns beschiedene Lebensspanne ist vielmehr dazu da, dass wir uns durch ein Leben nach dem Geist (s. Röm. 8:1-17; Gal. 5:13-26) auf die Herrlichkeit der Kinder Gottes (s. Röm. 8:21) erwartungsfroh vorbereiten können. Denn wenn wir, wie die Mutter des Herrn, das leichte Joch Jesu (s. Mt. 11:28-30) auf uns nehmen, werden sich für uns die Worte bewahrheiten: „Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosen Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken; denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig“ (2 Kor. 4:17-18).
Dementsprechend wird beim sich andeutenden Heimgang eines orthodoxen Christen seit jeher ein Priester an das Sterbelager gerufen, damit er (nach Beichte und Kommunion) für ihn den Kanon zum Hinscheiden der Seele aus dieser Welt liest, welcher aus flehentlichen Bitten an die Gottesmutter für den im Sterben Liegenden besteht. Sie ist nämlich für alle Christen der größte Beistand am letzten und wichtigsten Tag des zeitlichen Lebens. Amen.