Predigt zum Herrentag nach Theophanie (Eph. 4:7-13; Mt. 4:12-17) (25.01.2026)
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Liebe Brüder und Schwestern,
nachdem der Herr von Johannes im Jordan getauft worden war, verbrachte Er in voller Enthaltsamkeit vierzig Tage in der Judäischen Wüste, worauf Er vom Teufel versucht wurde. Als Er aber davon hörte, dass Johannes ins Gefängnis geworfen worden war, ging Er von Judäa nach Galiläa und nahm Wohnung in Kafarnaum am See, der Straße am Meer im Gebiet jenseits des Jordan, im heidnischen Galiläa, wo das Volk im Dunkel lebte. Nun hat das Volk, das im Dunkel lebte, ein helles Licht gesehen, und denen, die im Schattenreich des Todes wohnen, ist ein Licht erschienen (s. Mt. 4:15-16; Jes 8:23; 9:1).
Abschließend heißt es bei Matthäus: „Von da an begann Jesus zu verkünden: ´Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe`“ (Mt. 4:17).
Es ergibt sich daraus, dass zum einen, der Taufe die Buße vorangehen muss, und zum anderen, dass das Bekennen der Sünden das Himmelreich nahe bringt. Christus beginnt Seine Predigt mit denselben Worten wie Sein Vorläufer, der zwar die Umkehr predigte, jedoch selbst nicht die Macht hatte, den Menschen das Himmelreich zu geben. Johannes und die Propheten vor ihm sind wie die Sterne vor dem Tagesanbruch: wenn die wahre Sonne der Gerechtigkeit aufgeht und das helle Licht erscheint, werden die Sterne unsichtbar, denn wenn die Sonne scheint, besteht kein Bedarf mehr am Leuchten der Sterne.
Christus hat uns den Weg vorgegeben. Sein Leben war unser Leben, und unser Leben ist Sein Leben! Wenn wir also Nachfolger Christi sein wollen, müssen auch wir den Menschen das Licht bringen. Doch wie kann es dann sein, dass es bei uns in der Kirche Menschen gibt, die zwar vorgeben, nach den Regeln und Vorschriften unseres Glaubens zu leben, dabei aber statt dem Licht Christi nur Ärger in die Kirchengemeinde hereintragen?! Ist es das, wozu Christus aufruft?
Das „heidnische Galiläa“ bzw. das „Schattenreich des Todes“ beginnt für uns dann, wenn wir nach dem Gottesdienst aus der Kirche hinausgehen oder wenn wir unsere Wohnungstür von innen öffnen und in „die Welt da draußen“ eintauchen. Es ist so von Gott gewollt. Es wäre ein Leichtes für Ihn, die Welt durch Seine Allmacht wieder in einen geistlich idealen Zustand zurückzuversetzen, doch Er will stattdessen uns die Möglichkeit der Beteiligung am Erlösungswerk der Welt geben. Wir, die wir dies aufrichtig von Herzen wünschen, würden uns aber sehr gerne etwas mehr „Unterstützung“ für die Missionierung der ungläubigen Massen wünschen. Doch leider verfügen wir nicht über die notwendigen finanziellen Mittel, zudem fehlen uns die medialen Voraussetzungen und schließlich entbehren wir nahezu jeglicher Unterstützung in den wichtigen Strukturen von Staat und Gesellschaft. Leider?!.. Auch die Kirche im Römischen Reich war in technischer, finanzieller und politischer Hinsicht mittellos, und doch erwuchs aus dem Samen der Märtyrer der Aufstieg des Christentums zur Weltreligion. Auch in der Sowjetunion und in vielen anderen Orten und zu vielen anderen Zeiten der Weltgeschichte waren die Überlebenschancen der Kirche aus menschlicher Sicht gleich null, doch immer wieder triumphierte der Glauben am Ende. So wird es auch hier sein. Und wir sind berufen, an diesem Werk Gottes, dem Missionswerk Christi unter den (neuen) Heiden mitzuwirken. In aller Bescheidenheit und Demut, versteht sich.
Der Widersacher hätte Christus in der Wüste sehr gerne „geholfen“. Er bot Ihm logistische Hilfe an (s. Mt. 4:3), offerierte Ihm den Weg zum blitzartigen propagandistischen Erfolg Seiner Mission (s. 4:6) und stellte Ihm zu guter Letzt alle erdenkliche politische Unterstützung in Aussicht (s. 4:8-9). Aber Christus lehnte ab. Der Teufel wollte sich Ihm keineswegs in den Weg stellen, nein, er wollte Christus doch seine Hilfe anbieten. Aber dann wäre es sein Werk gewesen, und Christus hätte nicht leiden und sterben müssen. Gottes Sohn wird später Tausende auf wunderbare Weise speisen – doch für persönliche Zwecke wird Er Sich Seiner göttlichen Macht nicht bedienen; Er wird unzählige Wunder vollbringen, doch niemals mit dem Zweck, irgendjemanden damit zu beeindrucken, viel eher wird Ihm aus diesen Wundertaten ein Strick gedreht werden, so dass Er die Geheilten anhalten wird, Stillschweigen über ihre wundersame Genesung zu behalten; und obwohl Er die Macht über die Naturgewalten besitzt, ordnet Er Sich den im Vergleich dazu lächerlich unbedeutenden weltlichen Machthabern unter. So tat es der Herr. Und wir wollen es Ihm gleichtun. So wollen wir nichts aus eigener Kraft tun, sondern alles nur kraft der Gnade Gottes (vgl. Ps. 43:2-3). Wie beim Richter Israels Gideon im Kampf gegen die Midianiter geschehen, würden sich die Menschen überheben, wenn sie auf natürliche Weise dem Königtum Gottes zur Blüte verhelfen würden (s. Ri. 7). Also schmälert Gott unsere irdischen Ressourcen, damit wir IHN tätig werden lassen, selbst aber keineswegs inaktiv bleiben. Das ist der Synergismus, den Gott von Anfang an für unser Heil vorgesehen hat. Gott wird Seinen Teil stets erfüllen. Doch werden wir unseren erfüllen?!..
Christus schickt Seine Diener in diese Welt wie Schafe mitten unter die Wölfe (s. Mt. 10:16). Er liefert uns Situationen aus, in denen wir gar nicht anders können als Ihn um Hilfe anzurufen und uns auf Seine Stärke zu verlassen. War das nicht auch so mit den zwölf Jüngern, die Er bewusst allein auf den See vorausschickte, bis das Boot von den Wellen hin und her geworfen wurde? Doch als die Not am größten war, erschien Er ihnen und sprach: „Habt Vertrauen, Ich bin es; fürchtet euch nicht!“ (Mt. 14:27). Wenn wir also unser Leben in den Dienst der Kirche stellen, Christus unseren Willen unterordnen und unser ganzes Vertrauen auf Ihn setzen, dann wird Er uns zu gegebener Zeit zu Hilfe kommen. Auf Sein Wort ist Verlass (s. Joh. 14:11-18). Amen.