Predigt zum 1. Herrentag der Großen Fastenzeit / Triumph der Orthodoxie (Hebr. 11:24-26, 32-12:2; Joh. 1:43-51) (01.03.2026) Beliebt
Details Eintrag
Jahr:
2026
Orignalsprache:
Deutsch
Liebe Brüder und Schwestern,
am ersten Herrentag der Großen Fastenzeit wird weltweit des Sieges der Orthodoxie über die Häresien im Römischen Reich gedacht. Anlass für diesen Festtag war die endgültige Wiederherstellung der Ikonenverehrung nach dem Sieg der Orthodoxie im Bilderstreit (Ikonoklasmus) Mitte des 9. Jahrhunderts. Ein halbes Jahrhundert zuvor hatte das VII. Ökumenische Konzil anno 787 in Nizäa durch den Satz des heiligen Basilios des Großen (+379) für Klarheit gesorgt: „Die dem Abbild (griech. eikon) entgegengebrachte Verehrung geht auf das Urbild über“. Wir erweisen also nicht einem bemalten Brett unsere Huld, sondern dem, der oder den darauf Abgebildeten. Dies steht keineswegs im Widerspruch zum zweiten Gebot des Dekalogs (s. Ex. 20:4; Dtn. 5:8). Im Alten Bund konnte man den unsichtbaren Gott nicht bildlich oder plastisch darstellen, wohl aber Engel, die zu bestimmten Anlässen den Menschen erschienen waren. Deshalb wurden gemäß göttlicher Anordnung Cherubime im Stiftszelt bzw. später im Tempel zu Jerusalem angefertigt. (s. Ex. 25:18-22; 26:1,31; 36:8; 3 Kön. 6:23-35; 7:29-36; 8:6-7; 1 Chr. 28:18; 2 Chr. 3:7-14; 5:7-8; Hebr. 9:5). Das Verbot der bildlichen Darstellung betraf, wie aus dem logischen Zusammenhang hervorgeht, die Abbilder von allen übrigen irdischen Geschöpfen, um das Volk Gottes vor der Götzenanbetung zu bewahren. Nach der Menschwerdung Christi und Seiner Erscheinung in der Welt hatte dieses Gebot aber ohnehin seine Sinnhaftigkeit verwirkt. Folglich stellt die bei uns seit alters her praktizierte Ikonenverehrung keinen Götzendienst dar. Wer jedoch, wie zeitgenössische Sektierer es immer wieder von neuem versuchen, Ikonen als Götzenbilder bezeichnet, offenbart hiermit, dass er mit Herz und Verstand auf dem Irrweg ist.
Orthodox wird oftmals mit „rechtgläubig“ übersetzt, obwohl dies etymologisch nicht ganz genau ist. Wir selbst verstehen uns als diejenigen, welche Gott auf richtige Weise preisen, obgleich die Feststellung der Rechtgläubigkeit darin zwangsläufig enthalten ist. Doch purer rationaler Glaube ohne den rechten Lobpreis ist im spirituellen Sinne völlig wertlos. Diejenigen, die von sich behaupten, sie seien zwar gläubig, hätten aber mit der Kirche nichts am Hut, müssen sich fragen lassen, was so ein „Glaube“ wert ist bzw. was er ihnen außer der Illusion, Gott „im Herzen zu haben“, bringt.
Was aber bringt der seit eh und je ausgeübte, überlieferte und bewahrte Glaube der orthodoxen Kirche? Sind wir die Rechtgläubigen, weil wir das richtige Denken haben oder preisen wir Gott auf die richtige Weise? Oder weil wir durch unsere Frömmigkeit alle rein im Herzen sind? Natürlich nicht. Jedes vernunftbegabte Wesen verfügt über einen individuellen Verstand, dazu über eine voneinander völlig unterschiedliche innere Gefühlswelt. Wie soll da Einheit im Glauben und im Lobpreis Gottes zustande kommen, wenn Herz und Verstand nicht von einer höheren Macht erleuchtet bzw. unterwiesen werden? Das sehen wir heutzutage mit besonderer Deutlichkeit. Menschen, die sich entgegen den objektiven Tatsachen der Umwelt auf ihre Einbildung verlassen, bezeichnet man gemeinhin als geisteskrank. Sie produzieren diverse Gedanken, wobei ihnen die Urteilsfähigkeit abgeht, objektive Tatsachen von Wahnvorstellungen zu unterscheiden. Heute hat dieses Phänomen massenhafte Züge angenommen und wird von der herrschenden Meinungsdiktatur zielgerichtet gefördert. So werden die, welche sich vorbehaltlos von deren monströsen Meinungsmache vereinnahmen lassen zur leicht manipulierbaren Masse und zum nützlichen Stimmvieh pseudodemokratischer Kräfte. Es kommt hierbei zu einer viralen Vermischung von Gedanken- und Gefühlswelt. Wer sich vollkommen unter das Diktat der sichtbaren und unsichtbaren Kräften der Finsternis begibt, fühlt sich dann als dem jeweils anderen Geschlecht zugehörig, als Fuchs oder als Eisbär, dazu berufen, die Besucher im Eisbecken des Berliner Zoos zu belustigen. Und es ist nicht schwer zu erraten, wer hinter all diesen Dingen steht.
Was aber hat die Kirche Christi anzubieten? Welchen Weg empfiehlt sie uns? - „Ich bin der Weg, die Auferstehung und das Leben“ (Joh. 14:6), sagt der Mensch gewordene Gott. Wer Gottes Willen befolgt, handelt ausnahmslos richtig. Dazu erzieht uns das Evangelium Christi durch das wichtigste Gebet der Christen (s. Mt. 6:4); das hat uns der Heiland Selbst im Garten Gethsemane vorgemacht (s. Mt. 26:36-46; Mk. 14:32-42; Lk. 22:39-46). Der Apostel Paulus formulierte es hernach so: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal. 2:20). Das setzt voraus, dass jeder von uns bestrebt sein muss, in allem Gottes Willen zu erfüllen. Nicht Gott soll unseren Willen befolgen, sondern wir den Seinigen! Das Gebet in Gethsemane, bei dem unser Herr Blut schwitzte (s. Lk. 22:44), war das stärkste jemals gesprochene Gebet auf Erden. Es wurde erhört, wenn auch in dem Sinne, dass Gottes Willen geschah, nicht der des Menschen. Diese Wegscheide hatte sich schon kurz nach dem Messiasbekenntnis des Petrus in Caesarea Philippi angedeutet: „Weg mit dir, Satan, geh Mir aus den Augen! Du willst Mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“ (Mt. 16:23). Wie sehr diese Worte doch auf die heutigen Christen zutreffen, welche nicht begreifen wollen, dass das Heil in der Erfüllung des göttlichen Willens besteht, nicht im Aufzwingen des menschlichen Willens gegenüber Gott! Die Kirche der Apostolischen Epoche hatte da eine ganz andere Ausrichtung: „Geht es mir um die Zustimmung der Menschen, oder geht es mir um Gott? Suche ich etwa Menschen zu gefallen? Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Knecht Christi“ (Gal. 1:10). Einen anderen Weg kann die Kirche, können wir, nicht beschreiten. Sonst gehören wir nicht zu Christus. Amen.