Predigt zum 15. Herrentag nach Pfingsten (2 Kor. 4:6-15; Mt. 22:35-46) (13.09.2026)
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„Denn Gott, Der sprach: ´Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!`, Er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi“ (2 Kor. 4:6), so beginnt die heutige Lesung. Wir erkennen hier einen Hinweis auf das ungeschaffene Licht Gottes, in dessen Liebe Brüder und Schwestern,
Strahlenkranz die drei Jünger auf dem Thabor Christus sahen (s. Mt. 17:1-9; Mk. 9:2-10; Lk. 9:28-36; 2 Petr. 1:16-18). Dagegen war das Licht auf dem Angesicht Mose nach dem Abstieg vom Berg Sinai nur ein schwacher Abglanz, so wie der Alte Bund nur ein Schatten des Neuen Bundes war (s. Ex. 34:28-35; vgl. 2 Kor. 3:12-15). Die Überlegenheit „des göttlichen Lichtes auf dem Antlitz Christi“ manifestiert sich aber vor allem darin, dass Gott Sich in diesem Licht als Dreiheit zu erkennen gibt. Der heilige Ambrosius von Mailand (+397) kommentiert die betreffende Stelle in seiner Polemik mit der Häresie des Patriarchen von Konstantinopel Makedonius, der den Heiligen Geist als dem Vater und dem Sohn nicht ebenbürtig ansah, wie folgt: „Wer hat uns erleuchtet, damit wir Gott in Person Jesu Christi erkennen? Es heißt doch, dass Gott erleuchtet hat, damit die Herrlichkeit Gottes in Person Jesu Christi erkennbar wird. Wen, wenn nicht den Heiligen Geist erkennen wir als geoffenbart? Auf wen, wenn nicht auf den Heiligen Geist bezieht sich die Kraft der Göttlichkeit? Denn wer den Geist ablehnt, muss dann schon jemand anderen anführen, der zusammen mit dem Vater und dem Sohn Gottes Ruhm annimmt?“
Gehen wir weiter im Text: „Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen, so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (4:7). Was bedeutet das? Es bedeutet, das wir nichts wert sind, in etwa vergleichbar mit Einwegflaschen, die aber einen unermesslichen Schatz in sich tragen. Nicht die Hülle („zerbrechliche Gefäße“) macht den Wert aus, sondern der Inhalt („das Übermaß der Kraft Gottes“). Unter diesem Inhalt sind natürlich die Gaben des Heiligen Geistes gemeint wie „Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal. 5.22-24), wobei die Liebe am größten ist (vgl. 1 Kor. 13:13).
„Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum: wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet“ (4:8-9). Wer diesen Schatz in sich trägt, wird diese Bedrängnis nicht spüren. Er wird nur Sorge dafür tragen wollen, dass der uns innewohnende Schatz des Heiligen Geistes (s. 1 Kor. 6:19-20) nicht verlorengeht. Äußere Trübsal stellt hierfür keine Gefahr dar – im Gegenteil! Wer vom Geist erfüllt ist, wird all die Anfechtungen gegen ihn ignorieren und selbst stets stillhalten, nur damit der Schatz in seinem zerbrechlichen Gefäß nicht vergossen wird. Wer diesen Schatz in sich nicht trägt, wird hingegen wie ein Irrer herumtoben und vehement um die Wahrung seiner Rechte kämpfen.
„Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird. Denn immer werden wir, obgleich wir leben, um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Leib offenbar wird. So erweist an uns der Tod, an euch aber das Leben seine Macht“ (4:10-12). Je heiliger der Mensch lebt, desto heftiger werden die „Todesleiden Jesu an seinem Leib“ sein. Diese Todesleiden machen ihn aber unempfindlich gegen die Anfechtungen dieser Welt, führen dazu, dass er bereitwillig wie Christus jede Ungerechtigkeit und jedes Leid über sich ergehen lässt. Er hat doch schon alles, nämlich Christus! Was braucht er denn noch?!.. So bezeugt er die Wahrhaftigkeit Christi, nimmt durch sein Martyrium voller Freude am Leiden Christi teil. Dies wiederum führt dazu, dass „an seinem sterblichen Leib das Leben Jesu offenbar wird“, wodurch der Glaubenszeuge gegenüber den Lebenden aufzeigt, dass das Königtum Gottes in ihm ist (s. Lk. 17:21). Dies trifft sowohl auf das blutige als auch auf das unblutige Martyrium für Christus zu.
„Doch haben wir den gleichen Geist des Glaubens, von dem es in der Schrift heißt: ´Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet`. Auch wir glauben und darum reden wir. Denn wir wissen, das Der, welcher Jesus, den Herrn, auferweckt hat, auch uns mit Jesu auferwecken und uns zusammen mit euch vor Sein Angesicht stellen wird. Alles tun wir euretwegen, damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade den Dank vervielfachen, Gott zur Ehre“ (4:13-15). Wie der heilige Seraphim (+1833), dessen Angesicht ebenfalls im ungeschaffenen Licht strahlte, es formulierte, besteht der Sinn des geistlichen Lebens in der Erlangung der Gnade des Heiligen Geistes (s. sein berühmtes Gespräch mit Motowilow). Das Leben Christi vollzieht sich in unseren Leibern. „Daher soll die Sünde euren sterblichen Leib nicht mehr beherrschen, und seinen Begierden sollt ihr nicht gehorchen. Stellt eure Glieder nicht der Sünde zur Verfügung als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch Gott zur Verfügung als Menschen, die vom Tod zum Leben gekommen sind, und stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit in den Dienst Gottes. Die Sünde soll nicht über euch herrschen; denn ihr steht nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade“ (Röm. 6:12-14). Wir wollen doch, dass das Königtum Gottes in uns Gestalt annimmt: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr“ (1 Kor. 3:16-17). Denn: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal. 2:20). Amen.