Predigt zum Hochfest des Tempelgangs der Allheiligen Gottesgebärerin (04.12.2014)
Details Eintrag
(Hebr. 9: 1-7; Lk. 10: 38-42, 11: 27-28)
Liebe Brüder und Schwestern,
wenn wir auf die heutige Festtagsikome blicken, sehen wir die Darstellung des dreijährigen Kindes, das von seinen heiligen Eltern Joachim und Anna in den Tempel gebracht wird und dort vom Hohepriester Zacharias in Empfang genommen wird. Es ist ebenso bildlich dargestellt, dass die Theotokos (Gottesgebärerin), vom Heiligen Geist geleitet, aus eigener Kraft die siebzehn Stufen in das Allerheiligste des Tempels (s. Ex: 25, 26; 3. Kön. 8: 6; Hebr. 9: 3) erklimmt. Der Hohepriester weiß genau: Niemand darf das Heiligtum betreten, außer dem Hohepriester selbst, - und das nur ein Mal im Jahr am Tag des Versöhnungsfestes (s. Lev. 16). Doch Zacharias wurde durch den Geist eingegeben, dass dieses Kind höher ist, als der aus Stein errichtete urbildliche Tempel und sein Heiligtum. Sie ist der wahre Tempel Gottes, sie ist die Allerheiligste!
Heute erfüllt sich das Prophetenwort:
„Es steht die Königign zu Deiner Rechten,
in goldgewirkte Gewänder gekleidet und bunt beschmückt.
Höre Tochter, und sieh, und neige Dein Ohr,
und vergiss Dein Volk und das Haus Deines Vaters,
denn es verlangt der König nach Deiner Schönheit,
denn Er ist Dein Herr, und Du wirst Ihn anbeten.
Und die Tochter von Tyros wird mit Geschenken kommen,
Dein Antlitz werden anflehen die Reichen der Völker.
All die Herrlichkeit der Königstochter kommt vom Inneren,
mit Goldtroddeln ist Sie gekleidet und bunt geschmückt.
In Ihrem Gefolge werden dem König Jungfrauen gebracht,
die Ihr nahe sind, werden zu Dir gebracht.
Sie werden in Freude und Jubel gebracht
und in den Tempel des Königs geführt“ (Ps. 44: 10-16).
Die mit leuchtenden Kerzen ausgestatteten Mädchen sind zum Zeichen ihrer Jungfräulichkeit ohne Kopfbedeckung abgebildet, aber die Immerjungfrau ist, trotz Ihrer geringen Körpergröße, bereits als zukünftige Mutter des Herrn, also andeutungsweise schon als erwachsene Frau dargestellt – mit bedecktem Haupt.
Manche behaupten, die Verehrung der Jungfrau: „Geehrter als die Cherubim und unvergleichlich herrlicher, als die Seraphim“ - sei unangebracht, an Ihrer Stelle hätte jede andere Frau den Sohn Gottes ohne besonderen eigenen Verdienst gebären können.
Wahr ist: jede Frau hätte einen Propheten, Apostel oder einen anderen Heiligen gebären können. Doch nur das allerreinste Gefäß, das zuvor durch ein Leben in größtmöglicher Tugendhaftigkeit im Hause des Herrn gereinigt worden war, konnte für würdig erachtet werden, dass Gott in Ihm Seine menschliche Gestalt annimmt.
Wer die Frohe Botschaft begreift, der weiß, dass der Herr uns allen die Befähigung gegeben hat, zum Tempel Gottes zu werden (s. 1. Kor. 3: 16; 6: 19; 2. Kor. 6: 16). Dies wäre allerdings nicht möglich gewesen, wenn sich nicht zuvor durch die göttliche Vorsehung ein gottgefälliges Gefäß gefunden hätte, durch das der „Mittler zwischen Gott und den Menschen“ (1 Tim. 2: 5) in diese Welt kommen konnte. Der Einzug der Theotokos in das Allerheiligste ist die Vorankündigung der Geburt Christi, weshalb wir uns ab dem heutigen Tag schon liturgisch auf das Weihnachtsfest einstimmen. Er ging als einziger durch das „Osttor des Heiligtums“ (Ez. 44: 1) hindurch, - ein prophetisches Bildnis für die jungfräuliche Geburt des Messias -, wodurch Er uns allen den Weg zurück zu Gott ebnete, denn „es gibt eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu Ihm gehören“ (1. Kor. 15: 23).
Amen.