Predigt zum 7. Sonntag nach Pfingsten über die Heilung zweier Blinder und eines Stummen (Röm 15,1-7, Mt 9,27-35), 27.07.2025
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Liebe Brüder und Schwestern,
am siebenten Sonntag nach Pfingsten lasen wir, wie Christus zwei Blinde und einen Stummen heilte.
In der Apostellesung wird uns heute, wie auch schon letzte Woche, ein Ausschnitt des Schreibens des Apostels Paulus an die Römer geboten. Auch hier gibt er den damaligen Adressaten weitere Ratschläge, wie sie ihr Leben gestalten sollten, um dieses im christlichen Sinne zu führen.
Das Bemerkenswerte daran ist, das seine Worte auch heutzutage nach wie vor Bestand haben und wir uns mit ihnen auseinandersetzen sollten, um für uns die richtigen Schlüsse betreffs unseres eigenen Lebenswandels zu ziehen.
Fangen wir mit den ersten Sätzen daraus an:
„Wir aber, die Starken, sind verpflichtet, die Schwachheiten der Kraftlosen zu tragen und nicht uns selbst zu gefallen. Jeder von uns gefalle dem Nächsten zum Guten, zur Erbauung! Denn auch der Christus hat nicht sich selbst gefallen, sondern wie geschrieben steht: »Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.«“
Diese Worte kommen uns doch sehr bekannt vor! Ja, genau – im Brief an die Galater bringt es Paulus auf einen prägnanten Satz:
„Einer trage des anderen Lasten, und so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen“ (Gal 6,2)
Wir Menschen sind alle unterschiedlich. Jeder hat seine spezifischen Stärken, aber auch seine individuellen Schwächen. Doch gemeinsam sind wir stark! Und das in jeder Beziehung.
Damit ist es unsere christliche Pflicht, die Schwächen anderer zu kompensieren. Das Schöne daran ist, dass, wenn wir erfolgreich jemandem geholfen haben, sich auch bei uns ein Glücksgefühl einstellt!
Natürlich kostet es eine gewisse Kraft, das zu tun und es ist auf Grund unserer eigenen limitierten Ressourcen nicht immer möglich, das in jedem Fall zu ermöglichen. Doch unser Gewissen, unsere Liebe zu den Nächsten hilft uns dabei im jeweiligen Moment die richtige Entscheidung zu treffen.
Und sollten wir trotz alledem allein dazu nicht in der Lage sein, ein kleines Stoßgebet zu Gott wird uns sicherlich auf die Sprünge helfen: „Herr steh‘ mir bei!“ oder „Gib Deinen Segen, Herr!“ oder auch das Gebet zu Beginn eines jeden Werkes:
„Herr Jesus Christus, eingeborener Sohn Deines anfanglosen Vaters, Du hast gesagt: «Ohne mich könnt ihr nichts tun». Ich beherzige zutiefst das, was Du gesprochen hast, und ich verneige mich vor Deiner Güte. Hilf mir Sünder, das Werk, das ich nun beginne, in Dir auch zu vollenden, im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.“
Vorbild ist in dem Vorgehen natürlich Christus, der vielen Menschen Gutes tat und selbst die Schmähungen, die solche guten Taten zum Teil provozierten, auf sich nahm.
Wir brauchen aber dafür auch einen starken Geist, der uns führt bzw. unterstützt. Wie können wir diesen erlangen? Auch hier gibt uns Paulus Hilfestellung:
„Denn alles, was früher geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch das Ausharren und durch die Ermunterung der Schriften die Hoffnung haben.“
Das Lesen des Evangeliums, seiner Auslegung durch die Kirchenväter und der anderen Schriften der Bibel, wie der Apostelbriefe, helfen uns den rechten Geist zu erlangen.
„Ein reines Herz schaffe in mir und erneuere in mir den rechten Geist“ heißt es dazu im 50. Psalm.
Die gemeinsame Stärke ergibt sich allerdings nur unter einer Bedingung, auf die der Apostel im Folgenden hinweist:
„Der Gott des Ausharrens und der Ermunterung aber gebe euch, gleichgesinnt zu sein untereinander, Christus Jesus gemäß, damit ihr einmütig mit einem Munde den Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus verherrlicht.“
Unter Christen darf es keinen Streit geben, im Kleinen, wie im Großen. Streit hilft dem Spalter, dem Widersacher Gottes – es ist in seinem Interesse, Zwietracht unter die Menschen zu säen. Leider gelingt ihm das nur zu oft – im Kleinen, wie im Großen.
Natürlich ist eine Diskussion um die Sache im Sinne des Austauschs von Argumenten ohne dabei den anderen zu verletzen und sich auf die Inhalte zu konzentrieren, durchaus zulässig. Gleichgesinnt sein, bedeutet ja „eines gemeinsamen Sinnes zu sein“, also in unserem Fall einmütig Christus, Gott anzubeten.
In der Liturgie ruft der Diakon aus
„Lasst uns einander lieben, damit wir einmütig bekennen:“
Und der Chor antwortet:
„Den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, die wesenseine und untrennbare Dreiheit.“
Danach singt oder spricht die gesamte Gemeinde zusammen – einmütig – das orthodoxe Glaubensbekenntnis.
Wir sehen also, wie wichtig dieses Bekenntnis für uns und unser Leben ist. Deshalb sind alle – wirklich alle – aufgerufen, dieses Glaubensbekenntnis während des Gottesdienstes mitzusingen, egal, ob es in Deutsch oder Kirchenslawisch gesungen wird. Die Texte sind allen verfügbar, als Handzettel oder auch im Internet, sogar als Lehrvideo auf unserem Youtube-Kanal.
Unsere heutige Lesung schließt mit den Worten
„Deshalb nehmt einander auf, wie auch der Christus euch aufgenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit!“
Christus hat selbst die aufgenommen, die von der Gesellschaft verstoßen worden sind. Um so mehr sollten wir einander beistehen, die wir den gleichen Glauben und das gleiche Bekenntnis haben!
Zusammengefasst können wir also festhalten:
Helfen wir mit unseren Stärken, die Schwächen anderer auszubügeln! Wir können dankbar sein, wenn auch unsere Schwächen durch andere „über Eck getragen werden“!
Im Zweifelsfall, ob wir helfen können und sollten, hilft das Gebet zu Gott, dieses zu verstehen.
Einmütigkeit ohne Streit sollte unter Christen der Normalzustand sein, denken wir dabei an das gemeinsame Glaubensbekenntnis, welches wir vor Gott abgeben.
Amen.