Predigt zum 5. Fastensonntag über das Zuhören und das Dienen (Mk 10, 32-45), 29.03.2026
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Liebe Brüder und Schwestern,
im heutigen Evangelium des fünften Fastensonntages lesen wir von einer Begebenheit, die uns sehr bekannt vorkommen sollte.
Manchmal reden wir mir einem anderen Menschen und wir stellen fest, dass das, was wir zu ihm sagen, nicht ankommt und – im Gegenteil – er von etwas völlig anderem spricht, völlig andere Gedankengänge hat. Wir stellen uns dann die Frage, was ist eigentlich los, habe ich mich unklar ausgedrückt oder hat der andere es einfach nicht kapiert, nicht verstanden, was ich ihm sagte?
So eine Situation ist Gegenstand der heutigen Lesung. Jesus offenbart seinen Jüngern, was ihm bevorsteht: der Verrat, die Überlieferung an die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die Verurteilung zum Tode, die Verspottung, die Folterung, die Kreuzigung, den Tod und die Auferstehung. Also all das, was wir in der übernächsten Woche, in der Karwoche miterleben werden, um dann gemeinsam die Kunde von der Auferstehung Christi zum Osterfest zu feiern.
Was war der Grund dafür, dass die Jünger Christus nicht verstanden?
Sie waren darüber in Euphorie, dass sie mit Einem, Dem alles möglich ist, durch die Lande zogen. Er bewirkte Wunder, Er heilte, erweckte Tote wieder auf und überhaupt Er würde bestimmt in seinem Wirken dann die Macht im Lande übernehmen und sie, ausgerechnet sie selbst waren dabei! Sie stellten sich schon eine blühende Zukunft vor, waren gedanklich wie in einem Tunnel. Damit waren aber ihre Ohren verschlossen gegenüber der Nachricht, die Christus ihnen gab.
Da ist es wieder: das, was auch uns davon abhält, andere recht zu verstehen – unser eigener Egoismus, unser eigener Stolz. Er lässt unsere innere Stimme, unser Ich lauter schreien und damit denjenigen übertönen, der uns etwas sagen, der uns auf etwas hinweisen will.
Wir kommen aus unserer eigenen Sichtweise nicht heraus, weil wir nicht einmal den Versuch unternehmen zu verstehen, was der andere uns sagen möchte und auch zu verstehen, warum er so spricht.
So geht es uns den Menschen gegenüber, aber auch Gott. In unserem in-sich-gefangensein, in dem inneren und äußeren Lärm, den wir selbst entfachen, ist es einfach nicht möglich, Gottes Signale wahrzunehmen. Der Ingenieur für Nachrichtentechnik würde sagen, unser Signal zu Interferenz-Verhältnis ist zu schlecht, als das unser innerer Detektor funktionieren würde.
Was also tun?
Äußere und innere Störungen reduzieren. Äußere, das heißt weniger Ablenkung durch aller Arten Medien und Vergnügungen. Innere, das heißt, nicht permanent mit seinen Gedanken um sich selbst und seine Bedürfnisse zu drehen.
Wir erkennen oftmals nicht, wohin uns unser selbstbestimmtes Streben führt. Jakobus und Johannes wollten in der Herrlichkeit Christi zur Linken und zur Rechten sitzen. Sie sahen aber nicht, was das für Konsequenzen für sie haben würde. Denn dies würde unweigerlich bedeuten, dass sie einen ähnlichen Leidensweg wie Christus zu gehen hätten und in dem Moment, in dem sie ihren Wunsch äußerten, war es völlig unklar, ob sie diesen Weg gehen würden und könnten.
Die Geschichte zeigt, dass sie später tatsächlich diesen Weg gingen, denn beide starben für den Glauben, für Christus. Sie tranken also von dem Kelch Christi und empfingen auch die Taufe, so, wie es Jesus ihnen prophezeite.
Als die anderen Jünger von diesem Vorgang erfuhren, kam verständlicherweise eine Unruhe in die Runde. Das war dann für Jesus der Anlass, sich mit klaren Worten an sie zu wenden:
„Ihr wisst, dass diejenigen, welche als Fürsten der Nationen gelten, über sie herrschen, und ihre Großen Gewalt über sie ausüben. Nicht so soll es aber unter euch sein; sondern wer unter euch groß werden will, soll euer Diener sein, und wer unter euch Erster werden will, soll Knecht aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und seine Seele zu geben als Lösepreis für viele.“
Weltliche Hierarche und kirchliche unterscheiden sich grundlegend voneinander.
In der Kirche ist derjenige, der durch seine Weihe mit besonderer Gnade ausgestattet ist, der Bischof, der Priester oder auch der Diakon, ein Kirchendiener. Er dient Gott, nicht umsonst heißt es ja auch Gottesdienst, und der Gemeinde, den Gläubigen. Und dieser Dienst ist nicht leicht. Er ist um so schwerer, je höher die Weihe ist. Wenn ein Diakon die meiste Zeit und Kraft in seinem kirchlichen Wirken auf das Gottesdienstliche aufwendet und – wenn er den entsprechenden Segen bekommt – auch die Verkündigung als geistliche Aufgabe hat, so kommt bei einem Priester ein weiterer Aspekt hinzu – die Seelsorge. Sich um die geistlichen Angelegenheiten der anvertrauten Herde, der Gemeinde, zu kümmern, ist – wenn ernsthaft ausgeübt – eine Riesenkraftanstrengung und das als ein 24/7-Job. Von den Verantwortungen eines Bischofs ganz zu schweigen, dieser ist ja für die Ausübung des rechten Glaubens auf dem Territorium seiner Diözese verantwortlich.
Es ist also ein Dienst, in dem Sinne, wie es Christus seinen Jüngern mitgegeben hat. Die Kirchendiener brauchen das Gebet der Gläubigen ihrer Gemeinde oder Diözese, um mit Gottes Beistand daraus Kraft für ihren aufopferungsvollen Dienst zu bekommen.
Was nehmen wir also aus der heutigen Lesung mit?
Hören wir aufmerksam zu, was Gott und unsere Mitmenschen uns mitzuteilen haben!
Damit das gelingt, reduzieren wir äußere und innere Störungen, die uns davon abhalten!
Unsere Bischöfe, Priester und Diakone sind Diener der Kirche. Beten wir für sie, damit sie würdig ihren Dienst ausüben!
Amen.