Predigt zu Palmsonntag (Phil 4,4-9; Joh, 12,1-18), 05.04.2026
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Liebe Brüder und Schwestern,
die Große Fastenzeit ist vergleichbar damit, wie einen Berg zu bezwingen. Wir gingen unaufhaltsam einen Anstieg hinauf. Am Ende jeder Woche waren wir auf einer Anhöhe, dem jeweiligen Sonntag angelangt. Dort schöpften wir Kraft in der Liturgie und der Eucharistie, um die nächste Woche und den darauffolgenden Anstieg zu bewältigen. Manchmal strauchelten wir, doch wir standen wieder auf und liefen weiter hinauf. Das Gebet des heiligen Ephräm des Syrers war uns dabei eine Begleitung. So sind wir nun auf dem letzten Gipfel vor der letzten Steilwand, der Karwoche, angekommen. Wenn wir diese erklommen haben, dann sind wir auf dem ersehnten Gipfel, dem Fest aller Feste, der Auferstehung Christi angekommen.
Der heutige Gipfel ist Grund zu Freude. Wir feiern heute Palmsonntag, den Einzug des Herrn in Jerusalem, ein Hochfest. Diese Freude gibt uns auch der Apostel Paulus in der heutigen Epistel aus dem Brief an die Philipper mit:
„Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch! Eure Milde soll allen Menschen bekannt werden; der Herr ist nahe. Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus.“
Die Freude war auch das zentrale Gefühl, das die Jünger um Jesus herum zusammen mit Lazarus, Martha und Maria verspürten. Nach dem größten Wunder, dass Jesus zu Seiner Zeit auf Erden vollbrachte, der Auferweckung des bereits vor vier Tagen verstorbenen Lazarus, kamen sie alle zu einem Festmahl zusammen. Doch zeigte sich hier schon mit Marias Handlung, mit einem Pfund Balsam von echter, sehr kostbarer Narde die Füße Jesu zu salben, dass etwas noch Größeres bevorstand. Denn auf den Einwand von Judas Iskariot, dass man das Geld dafür für die Armen hätte verwenden sollen, entgegnete Jesus etwas für die Jünger völlig Unverständliches. Nämlich, dass sie dieses für den Tag Seines Begräbnisses tat.
Auch hier stieß Jesus sozusagen auf taube Ohren, wie wir es schon in den letzten Lesungen erfuhren. Die Stimme Gottes blieb unerhört!
Vielmehr erwarteten die Jünger und auch das Volk, dass den Einzug Jesu in Jerusalem begleitete und ihm huldigte, dass nun der Erretter von allen weltlichen Übeln gekommen ist. Zum Beispiel, dass sie von der ungeliebten Besatzung durch die Römer befreit werden. Oder, dass Heilung und Wohlergehen allen zuteilwird. Dazu trug natürlich bei, dass das Wunder der Erweckung des Lazarus Hoffnungen bei allen gab, das hier Der gekommen ist, Der alle von weltlichem Ungemach befreit.
Leider ist diese Verhaltensweise auch immer noch zu finden. Viele kommen mit der Erwartung in die Kirche und zu Gott, dass dieser ihnen weltliches Wohlergehen gewähre. Dass alle gesund seien, dass die Krankheiten ein Ende finden, dass man als Gewinner in Streitereien und Auseinandersetzungen hervorgeht, dass man materiellen Reichtum bekommt, dass man in Beruf und anderen Sphären des Lebens Erfolg hat. All diese Gedanken und Fürbitten sind natürlich berechtigt und die Erfüllung ist auch jedem zu wünschen. Doch das Wichtigste wird hierbei überdeckt, nämlich das, was wir in einer der Litaneien von Gott erbitten:
„Ein christliches Ende unseres Lebens, ohne Schmerz, ohne Schande, in Frieden, und eine gute Rechenschaft vor dem furchtbaren Richterstuhl Christi lasst uns erflehen.“
Es geht also um unser Leben nach dem Tod und darum, dass wir zu Gott kommen, dass wir mit ihm eines werden! Das Ziel der Christen besteht doch genau darin! Dass es auf dem Weg dahin Schwierigkeiten gibt, ist nun nicht zu ändern. Wir müssen diese überwinden. In diesem Sinne Gott zu bitten, ist der richtige Ansatz.
Im zweiten Teil der heutigen Epistel gibt uns der Apostel Paulus auch den Hinweis darauf, wie dieses geschehen soll:
„Übrigens, Brüder, alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, das erwägt! Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und an mir gesehen habt, das tut! Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.“
Doch zurück zum Einzug des Herrn. Triumphmärsche hat es ja in der Geschichte der Menschheit genug gegen. Herrscher ließen nach Siegen ihre Truppen aufmarschieren oder in jüngerer Geschichte auffahren und -fliegen. Sportler laufen zu großen Wettkampfereignissen unter dem Jubel der Menge ein. In Demonstrationen für verschiedenste Ziele wird lautstark der jeweilige Zweck des Aufmarsches kundgetan.
Und hier? Jesus reitet bescheiden auf einem Eselsfüllen ein, so, wie im Alten Testament vorhergesagt. Er kommt in Frieden. Er bringt den Frieden.
Und das ist doch die wahre Freude! Wenn wir Gott an uns heranlassen, wenn wir Ihn in unsere Seele hineinlassen, dann bringt Er uns den Seelenfrieden.
Freuen wir uns also über diesen heutigen Tag, der uns den Ausblick auf das große Fest der Auferstehung Christi gibt!
Amen.