Die christologische Polemik des Hl. Mönches Maximus des Bekenners und der Auftritt des Islams auf der Bühne der Weltgeschichte
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Die christologische Polemik des Hl. Mönches Maximus des Bekenners und der Auftritt des Islams auf der Bühne der Weltgeschichte
Dieser Artikel von Grigory Benevich behandelt die Reaktion des Hl. Mönches Maximus dem Bekenner auf die Invasion des byzantinischen Reiches durch muslimische Araber. In diesem Material wird auch der Islam als Weltanschauungsalternative zu den christlichen Bekenntnissen des 7. Jahrhunderts betrachtet, sowie die Hypothese, dass der Islam vor allem im Gegensatz zum Monotheletismus gestanden habe, der damals in Byzanz vorherrschte.
Mit Berücksichtigung dessen, dass die Dogmatik im Rhomäischen (Byzantinischen) Reich nicht nur der Glaubenslehre, sondern auch der Weltanschauung und der Ideologie – und folglich auch der Politik – diente, scheint es sehr wichtig, den Zeitpunkt des Auftrittes der zum Christentum alternativen Islamreligion auf die Bühne der Weltgeschichte in den 30-er Jahren des 7. Jahrhunderts im Kontext der christologischen Debatten, die damals in der Byzanz stattfanden, zu sehen. Solch ein Vergleich kann sowohl auf einige Aspekte dieser Debatten selbst, als auch darauf, welche Stelle (die im Raum der Weltanschauungsalternativen bis dahin leer gewesen war) der Islam in diesem Kontext erfüllte, ein Licht werfen. Die Bestimmung dieser Stelle (zur Zeit der Entstehung des Islams), sowie auch die Erkenntnis der ideologischen und der weltanschaulichen Rolle des Islams (im Vergleich zu den christlichen Weltanschauungen)[1]. hat auch für unsere Zeit eine wichtige Bedeutung. Bei unserer diesbezüglichen Schilderung der christologischen Debatten, die in den 30er und den 40er Jahre des 7. Jahrhunderts im Rhomäischen Reich stattfanden, werden wir uns an das Erbe des hervorragendsten Theologen dieser Epoche – des Hl. Mönches Maximus dem Bekenner – wenden, dessen damalige Polemik erhalten und ziemlich gut studiert ist, obwohl die Lehre des Hl. Maximus eben in dieser Hinsicht noch von niemandem besprochen worden zu sein scheint [2].
In erster Linie sollte daran erinnert werden, dass mit den Namen des Hl. Maximus dem Bekenner und des ihm nahe stehenden Hl. Sophronius von Jerusalem, den der Hl. Maximus selbst als seinen Lehrer (Abba) bezeichnete, die ersten Angaben über die Reaktion der Christen auf eine neue Kraft zusammenhängen, die die Arena der Weltgeschichte betreten hatte –die muslimischen Araber[3]. Unter anderem ist es wohl bekannt, dass der Patriarch Sophronius von Jerusalem (Patriarch von 634 bis 638 oder 639), der zum Oberhaupt der Verteidigung Jerusalems wurde, sich im Winter 637 entschied, nachdem er während der langen Belagerung auf die Hilfe des Kaisers Herakleios umsonst gewartet hatte, die Stadt an die Araber zu vergeben, dass von der arabischen Seite die Kapitulation durch Kalif Umar ibn al-Chattab (634-644) empfing, und dass es dank der Bedingungen dieses Vertrags geling, das Leben und die wichtigsten christlichen Heiligtümer der Einwohner Jerusalems zu erhalten. Ebenso wohl bekannt ist, dass ab diesem Zeitpunkt die Koexistenz des Christentums und des Islams auf dem Heiligen Lande begann, - da, wo Kalif Umar bei seinem Besuch Jerusalems auf dem leerstehenden Tempelberg die Al-Aqsa -Moschee anlegte, die heute noch als eines der wichtigsten islamischen Heiligtümern gilt. In diesem Artikel interessiert uns allerdings in erster Linie nicht wie die arabische Invasion vom Patriarchen Sophronius von Jerusalem wahrgenommen wurde[4], sondern wie sein Mitkämpfer, der Hl. Mönch Maximus der Bekenner darauf reagierte.
Solch eine Reaktion ist bekannterweise in seinem Brief, genauer gesagt, „belehrendem Sendschreiben“ (Ep. 14: PG 91, 533B-544C) enthalten, das an Virillustrum Petrus, den Exarchen der Provinz Afrika, adressiert war. Während Kaiser Herakleios, um der Invasion zu widerstehen, alle in Nordafrika vorhandenen Truppen versammelte, wurde Petrus nach Ägypten gesandt. Wie Jean-Claude Larchet, bekannter Spezialist zum Thema Hl. Maximus, beurteilt, „wurde dieser Brief zwischen 634 und 639 geschrieben. Petrus wohnte damals in Alexandria, wo er anscheinend die Doppelmission erfüllte – sowohl die militärische als auch die kirchliche, so wie er beauftragt worden war“[5]. Die Tatsache, dass Petrus nicht nur in die militärischen Vorbereitungen, sondern auch in die Kirchenpolitik involviert wurde, ist ganz deutlich daran zu sehen, dass der Hl. Maximus, der in dieser Zeit in Karthago (Nordafrika) wohnte, ihm mehrere Briefe adressierte (außer Ep. 14 ist das der um 633 geschriebene umfangreiche Ep. 13: PG 91, 509B-533A), die fast nur den Fragen der Glaubenslehre (die damals auch mit der Ideologie eng einherging) gewidmet sind. In diesen Briefen geht es in erster Linie um den Streit mit den Monotheleten[6], deren Anwesenheit in Ägypten und deren in der Regel feindselige Einstellung gegenüber dem Kaiserreich (das sie seinerseits oft sehr brutal behandelte) zu den wichtigsten Faktoren der damaligen Politik zählten.
Wenn wir über die Korrespondenz des Hl. Maximus mit Petrus sprechen, dem Exarchen von Afrika, für den Maximus wahrscheinlich nicht nur ein Berater in dogmatischen Fragen, sondern auch eine geistliche Autorität (so etwas wie ein geistlicher Vater) war, sollte erwähnt werden, dass der Hl. Maximus später, als er im Jahre 655 vor Gericht stand, beschuldigt wurde, er sei derjenige gewesen, der „den Sarazenen Ägypten, Alexandria, Pentapolis, Tripolis und Afrika hingeben hatte“, indem er Petrus in einem Brief vom Widerstand gegen die Sarazenen abgeraten hätte, um das Reich von Kaiser Herakleios nicht zu stärken[7]. Der Hl. Maximus widerlegte diese Beschuldigung, indem er dem Ankläger – und dieser war bei Petrus der Sakellarios Johannes, also eine ihm ziemlich nahe stehende Person – entgegnete, dass er keine Beweise für das Vorhandensein eines solchen Briefes hätte. Am wahrscheinlichsten ist es, dass es solch einen Brief gar nicht gab. Nichtsdestotrotz sollte es anerkannt werden, dass sowohl der Hl. Sophronius als auch der Hl. Maximus der offiziellen Politik der Regierung Konstantinopels und der sie unterstützenden kirchlichen Hierarchie objektiv widerstanden hatten. Letztere hatten sich angesichts der Verschärfungen der außenpolitischen Lage die Versöhnung mit den Monophysiten – also die Schließung einer Union – zum Ziel gesetzt[8]. Die weitere Konfrontation zwischen Orthodoxen und Monophysiten im Ägypten (darunter in Alexandria selbst) war einer der Faktoren, der die Byzantiner vor der arabischen Invasion wesentlich schwächten. Die beiden Heiligen, die damals einen großen Einfluss auf die kirchliche und die mit ihr eng verbundene staatliche Politik ausübten, waren in Bezug auf die Monophysiten aber unerbittlich[9] - ihrer Meinung nach durften die Orthodoxen auf keine Kompromisse eingehen, da diese eine Verzerrung des Glaubens bedeutet hätten.
Die Notwendigkeit, in der Zeit der Invasion stark im Glauben zu stehen, ist der Brief des Hl. Maximus an Virillustrum Petrus (also Ep. 14) großenteils gewidmet. Dabei enthält er auch eine Beschreibung der neuen Kraft, die die Bühne der Weltgeschichte betreten hatte. Weiter unten werden wir uns diesem Charakteristikum und der Einstellung des Hl. Maximus selbst zu diesen Ereignissen zuwenden, nun merken wir an, dass die auf den ersten Blick für den Staat schädliche Tätigkeit der Hll. Sophronius und Maximus in Wirklichkeit, wenn alle Faktoren des byzantinischen politischen Lebens berücksichtigt werden, sich nicht als solche erwies. Ganz im Gegenteil: im Großen und Ganzen konstituierte und verstand sich das Reich als orthodox; daher waren Kompromisse im Bereich des Glaubens und Verzerrungen der Orthodoxie zwecks Erreichung vorübergehender politischer Erfolge in weitergehender Perspektive konfliktträchtig (unter anderem drohte die Gefahr des Abfalls des gesamten Westens – angeführt von Rom, das sich zum Dyoenergismus bekannte – vom östlichen Teil des Reiches; dieser Abfall fand tatsächlich statt, nachdem in Konstantinopel die Politik der Union mit den Monophysiten sich für eine Weile durchgesetzt hatte). Die Aufrechterhaltung des Reiches war letztendlich in vielen Hinsichten eben der Orthodoxie zu verdanken. Also diente die scheinbar „unpatriotische“ antiunionistische Propaganda der Hll. Sophronius und Maximus, - auch wenn sie dies nicht direkt bezweckten und vor allem die Aufrechterhaltung der Orthodoxie erzielten – letztendlich der Aufrechterhaltung des Reiches selbst, das auf dem 4. Ökumenischen Konzil (680-681) wieder zum Dyoenergismus und der Orthodoxie zurückkehrte, die von diesen Heiligen, sowie auch von der gesamten Westkirche verfochten worden war.
Wenden wir uns nun dem eigentlichen Text von Ep. 14 zu, wo die umfassende Reaktion dieses hervorragenden byzantinischen Theologen auf die Invasion der moslemischen Araber ins Reich zu finden ist. Das Erste, was in diesem Text auf sich aufmerksam macht ist, wie wenig Aufmerksamkeit der Hl. Maximus dem Charakteristikum der Feinde selbst, die ins Reich eingebrochen waren, zuteil kommen lässt. In einem ziemlich umfangreichen Abschnitt, der sich auf die arabische Invasion bezieht (PG 91, 540-544), schenkt der Hl. Maximus den Arabern selbst (allerdings nennt er sie auch nicht mal beim Namen) nicht mehr als einen halben Satz: „Wir sehen einen Treib von wilden[10] Einwohnern der Wüste, die über das fremde Land wie über ihr eigenes brausen, unzähmbare grimmige Tiere, Menschen nur nach ihrem Äußeren, die einen kulturvollen Staat verwüsten…“ (PG 91, 540А[11]). Das heißt, seine Äußerung war ausschließlich in den Begriffen einer Gegenüberstellung von Barbarei und Zivilisation formuliert. Die Glaubensvorstellungen der in den byzantinischen Herrschaftsbereich eingedrungenen Wüstenbewohner wurden überhaupt nicht beurteilt, wodurch erschlossen werden kann, dass der Hl. Maximus über die Spezifität ihrer Religion noch nichts wusste oder ihr keine Bedeutung zuschrieb[12].
Neben dieser kurzen Anmerkung über die „wilden Einwohner der Wüste“ schenkt der Hl. Maximus in einem Abschnitt, der der Invasion und der den Byzantinern drohenden Gefahr, gewidmet ist, seine Aufmerksamkeit zwei Themen – der Rolle der Juden, die diese in der gesamten Situation spielen, und der Empfehlung, wie orthodoxe Christen, in erster Linie Petrus selbst, sich verhalten und welche Lehre sie aus dem Geschehenen ziehen sollten. Betreffs der Einstellung des Hl. Maximus zu den Juden und der Bewertung ihrer Rolle bei der Unterstützung der ins Reich eingebrochenen Araber wurde schon mehrmals etwas geschrieben[13]. Für die Zwecke dieses Artikels reicht es aus zu betonen, dass der Hl. Maximus in einer umfangreichen anti-jüdischen Passage vor allem die Verleugnung der christlichen frohen Botschaft durch die Juden betont, sowie auch ihre Bereitschaft, jede antichristliche Kraft zu unterstützen und die allgemeine Feindseligkeit gegenüber Christen und, mehr noch, die Tatsache, dass sie durch ihre Taten (und, offensichtlich, auch ihren Glauben), „die Ankunft Antichristi verkünden“[14].
Dem jüdischen Thema wenden wir uns später zu, vorerst merken wir ein Thema des zu betreffenden Abschnittes an, welches für uns nun wichtig ist – die Belehrungen des Hl. Maximus, bezüglich der Lehren, die die Christen aus dem sie ergriffenen Desaster infolge der Invasion der barbarischen Horden, die von den Juden, den prinzipiellen Feinden der Christen, unterstützt (oder inspiriert?) worden waren heraus getragen werden mussten. Laut dem Hl. Maximus, geschahen die Desaster, welche die Christen ergriffenen, „wegen der Menge unserer Sünden“. Diese Sünden ersieht er erstens darin, dass Christen „nicht ‘ würdig des Evangeliums des Christus wandelten’ (Phil 1,27)“, also die Gebote der Liebe verletzten und sich dem Willen der Leidenschaften hingegeben hatten. Zweitens – und das ist im Kontext unserer Problematik, sowie auch der Problematik des Briefes des Hl. Maximus selbst das Wichtigste – die Christen hätten durch die Schwankungen in den Glaubensfragen gesündigt[15]. Das ist selbst aus dem Text des Sendschreibens des Hl. Maximus ersichtbar, der seinen Adressaten beruft: „Aber werden wir wach sein und beten, damit unsere Herzen nicht noch mehr beschwert werden durch Völlerei und Trunkenheit (Lk 21,34). Denn Völlerei ist Schwankung im Wort des Glaubens mit der Zeit auch die Verfolgung [des wahren Glaubens – G.B.], und Trunkenheit ist die Verleugnung der Überlegungen, die der Natur folgen und auf natürliche Weise zur wahren Erkenntnis des Seienden führen, wenn die Seele sich wegen der Flauheit unter den Schlägen der Prüfungen beugt und sich verfinstert und dann, wie ich sagte, im Glauben schwankt“ (PG 91, 541C[16]). Es besteht kein Zweifel daran, dass im Kontext des „belehrenden Sendschreibens“, das, so wie auch das vorher geschriebene Ep. 13, großenteils der Polemik mit den Monophysiten vom Standpunkt des Chalcedonismus gewidmet war, die Glaubensschwankungen, von denen der Hl. Maximus hier spricht, in erster Linie eben die Beziehungen zwischen den Orthodoxen und dem Monophysiten und die Bereitschaft der Chalcedoniten in Alexandria (hier sollte es vor allem an Patriarch Kyros von Alexandria erinnert werden, der 633 mit ihnen die Union schloss und Patriarch blieb), wegen politischer Ziele Kompromisse mit Monophysiten zu wagen und dadurch die orthodoxe Lehre zu verzerren, wogegen der Hl. Sophronius und Maximus hart auftraten, betreffen.
Es ist klar, dass der Hl. Maximus seinen Adressaten, unter dessen Aufsicht die militärischen und politisch-ideologischenAktivitäten in Ägypten und Nordafrika standen , beruft, in der schweren Lage, in die die Christen in Ägypten gerieten, generell nicht nur keine Kompromisse mit Monophysiten einzugehen, sondern, mehr noch, auf alle Kompromisse und Schwankungen zu verzichten und sich im Glauben noch mehr zu festigen, ohne zu versuchen, rein menschliche Auswege aus der sich ergebenden schwersten Situation zu finden, sondern sich in Gebeten an Gott zu wenden und eben bei ihm die Stärkung im unerschütterlichen Glauben zu suchen. Wie der Hl. Maximus darüber schreibt: „Falls wir aber beten und wach bleiben, wird unser Glauben an unseren Herrn und Gott Jesus Christus sich stärken, denn die Verwirklichung dessen, was ER vorhersagte, werden wir ersehen und an der eigenen Erfahrung wahrnehmen, und werden uns keineswegs stauen und in unseren Seelen schwanken, so als ob wir etwas erlebt hätten, was mit [seiner] Versprechung nicht übereinstimmend wäre, sondern einen noch stärkeren Glauben werden wir erhalten, indem wir sehen, wie die Vorhersage des Herrn sich erfüllt“ (PG 91, 541D)[17]. Diese Vorhersage, die laut dem Hl. Maximus damals in Erfüllung ging, bezog sich auf einige neutestamentliche eschatologische Prophezeiungen über die Abtretung der Welt vom Glauben kurz vor der Ankunft Antichristi, sowie auch generell über die Prüfungen, die das Schicksal aller gläubigen Christen sind (vgl. Mt 24,6-24; Lk 18,7-8). Es ist kein Zufall, dass der Hl. Maximus, als er vorher über die Juden geschrieben hatte, ihre Spiritualität nicht nur als antichristlich bezeichnet, sondern auch erwähnt hatte, dass sie die Ankunft Antichristi vorwergnehme. Letztendlich, wiederholt der Hl. Maximus in der gesamten Passage, die der Notwendigkeit der Festigung im Glauben gewidmet ist, dass die geschehenden Ereignisse – falls sie richtig, also als eine sich erfüllende Prophezeiung verstanden werden - der Stärkung und Standfestigkeit des Glaubens dienen sollten. „Wenn aber die Verwirklichung des Vorhergesagten zur Stärkung des Glaubens führen kann, dann sollen auch wir wegen dem Geschehenen unseren Glauben noch mehr stärken, indem wir entdecken, dass die Wahrheit gesagt wurde, und Gott vor den Menschen bekennen und uns dabei vor dem Tod nicht fürchten, damit auch ER uns vor dem Vater bekennt (Lk 12,8) und uns als die durch die richtige Bekenntnis Erretteten aufnimmt“ (PG 91, 544A[18]).
Wie bezieht sich aber all das auf die am Anfang des Artikels gestellte Frage nach der Bestimmung der Stelle des Islams in Bezug auf die christlichen Glaubenslehren? Der Hl. Maximus sagt hier ja gar nichts über den Islam selbst, von dem er als Religion anscheinend wenig wusste[19]. Außerdem, was die eschatologischen Vorhersagen betrifft (falls sie es sind, was der Hl. Maximus in seinem Brief an den Exarchen Petrus meinte), hatten diese sich damals doch nicht erfüllt; deswegen wirken die Passagen, in denen der Hl. Maximus von ihnen spricht, etwas zusammenhanglos. Nichtsdestotrotz kann zu dem Gegenstand dieses Briefes, sowie auch zum gesamten Problem der Beziehungen zwischen dem Islam und den damaligen christlichen Glaubensvorstellungen, eine Vorgehensweise vorgeschlagen werden, die ermöglichen würde, den Gegenstand des Briefs des Hl. Maximus an den Exarchen Petrus anders anzusehen. Eigentlich hat uns bereits die Analyse des Textes selbst zum Gedanken gebracht, - den der Hl. Maximus allerdings nicht direkt äußert (zumindest daher, dass er über den Islam als Religion wenig wusste), - dass der die Bühne der Geschichte betretene Islam sich als neue weltanschauliche Alternative erwies. Diese Alternative wurde als Strafe Gottes für die in Byzanz regierenden Chalcedoniten angesehen , weil sie von der Orthodoxie abgewichen waren, indem sie das unierte Glaubensbekenntnis in Form des Monoenergismus und dann des Monotheletismus zugelassen hatten[20].
Diese These wird durch den Vergleich zwischen einigen Besonderheiten des Monotheletismus, der in Konstantinopel zur offiziellen Doktrin wurde und als Plattform für die Union mit den Monophysiten dienen sollte, und einigen wesentlichen Eigenschaften der neuen Lehre des Islams verständlicher. Die Hauptbesonderheit des Monotheletismus als christologische Lehre ist die Behauptung, dass der göttliche Logos die einzige Quelle des Willens in Christo sei und die menschliche Natur keinen eigenen Willen habe, da sie ganz und unter allen Umständen ausschließlich von Christi Göttlichkeit bestimmt werde. Im Gegensatz zu dieser Lehre erarbeitete der Hl. Maximus bekannterweise die Lehre über die zwei natürlichen Willen in Christo, wie er selbst sagte: „Gott selbst (…), der ohne Umwandlung Mensch wurde, wollte nicht nur als Gott konform seiner Göttlichkeit, sondern auch wie der Mensch, konform seiner Menschlichkeit“[21] (PG 91, 297B). Dieser natürliche menschliche Willen, [den es] in Christo neben und mitsamt des Göttlichen [gab], war eben das, was die die Monophysiten nicht anerkannten. So, als der Hl. Maximus beim Disput mit einem der Ideologen des Monotheletismus, Pyrrhus , dem Ex-Patriarchen von Konstantinopel, rhetorisch gefragt wurde, ob das „Fleisch [Christi] sich nicht nach dem Befehl des Willens (νεύματι) des sich mit ihm vereinten Wortes bewegte?" (eben da), erwiderte er, dass diese Art der Interaktion Gottes mit dem Menschen für die alttestamentlichen Propheten, die sich nach dem Befehl des Willens Gottes bewegten hatte, charakteristisch gewesen sei: „Nach dem Befehl seines Willens bewegten sich sowohl Moses als auch David und alle, die, dank der Ablegung der menschlichen und fleischlichen Eigenschaften von sich fähig geworden waren, die göttliche Wirkung in sich aufzunehmen“[22]. Allerdings hielt der Hl. Maximus auf diesen Einwand hin nicht inne, sondern antwortete direkt, dass in Christo auch die menschliche Natur über ihren natürlichen Willen verfügte, der sich von der Hypostase des fleischgewordenen Logos als sein eigener neben und mitsamt dem Göttlichen [Willen] angeeignet wurde, (dabei führte er das Gethsemane- Gebet als bekanntestes Beispiel der Äußerung des menschlichen Willens in Christo an)[23].
Was den Islam betrifft, ist es allgemein bekannt, dass in dieser Religion das höchste Vorbild im „System“ der Gott-Mensch-Beziehungen nicht Gott, das fleischgewordenes Wort, sondern ein Prophet ist. Auch Jesus (Isa) ein großer Prophet angesehen wird, sei lediglich einer der Propheten. Er nehme die göttliche Offenbarung an, wie auch die anderen Propheten, deren Spitze Mohammed sei, und leite sie an die Menschen weiter. Dabei ist der Islam nicht eine der christlichen Glaubenslehren (so etwa wie der Monotheletismus, der Nestorianismus oder sogar der Arianismus), sondern eben eine andere Religion (was für die Christen selbst nicht sofort klar war, aber im Laufe der Zeit offensichtlich wurde). Diese andere Religion, wie wir sehen, betrat die Bühne der Geschichte genau zu dem Zeitpunkt, als in Byzanz die Lehren des Monoenergismus und des Monotheletismus offiziell angenommen wurden, bei denen (insbesondere bei Letzterem) der menschliche Wille in Christo komplett verworfen wurde, und das Fleisch Christi als sich nur auf Befehl des Göttlichen Willens bewegend verstanden wird – also ohne jegliche Teilnahme eines menschlichen Willens.
Dabei ist es bemerkenswert, dass in Christo, laut dem Hl. Maximus, auch zu den Momenten, wenn ER Wunder gewirkt hatte und sein Fleisch durch seine Göttlichkeit bewegt worden war, sein menschlicher natürlicher Willen eben nicht irgendwohin verschwunden war. Dieser sein Wille war dem Göttlichen Willen ganz hingegeben, war diesem ganz gefolgt und hatte sich in keiner Form unabhängig geäußert, sondern als solche immer erhalten geblieben.[24] Was die Propheten betrifft: als der Hl. Maximus davon sprach, dass diese durch göttlichen Wirkung bewegt worden waren, bestritt er nicht das Vorhandensein eines menschlichen Willens bei ihnen, sondern betonte lediglich, dass dieser Wille Gott ganz hingegeben gewesen sei[25].
Was aber wiederum den Islam betrifft: mit ihm trat im 7. Jahrhundert eine Religion auf den Plan, in deren Zentrum nicht mehr der fleischgewordene Gott, sondern der Prophet steht. Dies geschah genau zu der Zeit, als in Byzanz die Lehre über die Fleischwerdung Gottes dermaßen verzerrt worden war, dass dort begonnen wurde, über das Fehlen des menschlichen Willens in Christo – den der Hl. Maximus zu Recht als Zeichen der Präsenz der menschlichen Natur ansah[26] – zu lehren. Faktisch bedeutete die Verleugnung des menschlichen Willens in Christo die Verleugnung der Tatsache, dass das Wort Fleisch angenommen hatte, also die Verleugnung der wahren Vereinigung des Göttlichen und des Menschlichen. Genau zu diesem Zeitpunkt trat ja der Islam auf die Bühne der Geschichte auf, wo im Zentrum der Gott-Mensch-Beziehungen der Mensch, der jeder Prophet ist, gestellt, und die Fleischwerdung Gottes selbst, wie Christen sie damals verstanden, verneint wurde.
Was aber die Rolle von den Juden betrifft, welche der Hl. Maximus in seinem Brief an den Exarchen von Afrika als wirksame geistliche Kraft, die zum Zeitpunkt des Auftrittes der muslimischen Araber auf die Bühne der Geschichte agierte, ansieht, ist ihre geistliche Rolle in der damaligen Konstellation der Kräfte offensichtlich. Eben im Judaismus wird die Fleischwerdung Gottes verneint, so wie auch, dass Jesus Christus der erwartete Heiland, Erretter und Messias ist. Daran erinnert der Hl. Maximus seinem Adressaten, indem er den Judaismus als Glaubenslehre, die die Ankunft Antichristi vorwegnimmt, bezeichnet (vgl. 1 Joh 2,18; 2,22; 4,3; 2 Joh 1,7). Dadurch, auch wenn der Hl. Maximus den Islam als Religion noch kaum kannte und wenig zu diesem Thema schrieb, sondern bei den zu beschreibenden Ereignissen dem Judaismus größere Aufmerksamkeit schenkt als den Wüstenbarbaren, ergibt es sich, dass er mit diesen Wenigen vollkommen Recht hatte. Eben der Verzicht auf den Glauben an die Fleischwerdung Gottes (sowie auch an die Lehre an Gott die Dreiheit[27]) wurde in seiner christlichen Auffassung zum geistigen Boden der neuen Religion, welcher zum gemeinsamen Nenner zwischen ihr und dem Judaismus wurde und sie zugleich von den wichtigsten damals existierenden christlichen Glaubensbekenntnissen trennte, - obwohl Moslems, im Gegensatz zu Juden, Jesus als großen Propheten verehrten.
Auf diese Weise tauchte unter den weltanschaulichen Alternativen, die damals kollidierten, eine weitere auf, die im gewissen Sinne als Gegenteil zum byzantinischen Monotheletismus angesehen werden kann. Das Ausmaß dieser Gegenseitigkeit, sowie auch selbst der Charakter der „Gott-Mensch“ Beziehungen im Islam im Vergleich zum monotheletischen „Modell“, bedürfen der weiteren Forschung, was ohne die Einbeziehung von Spezialisten für den Islam nicht möglich ist[28]. Hier wollten wir lediglich diese Frage erheben und die Entstehung des Islams in den Kontext der christologischen Debatten in der Byzanz wenigstens vorbereitend „hineinschreiben“.
Wie auch immer diese Frage vom Standpunkt der Religionsgeschichte und der Charakterisierung des Einflusses der christlichen Sekten und „Häresien“, die sich in Arabien verbreiteten, sowie auch des Judaismus, auf die Entwicklung des frühen Islams entschieden werden mag, kann behauptet werden, dass der Islam, der ins Zentrum der Gott-Mensch-Beziehungen einen Propheten, also den Menschen stellte, als radikalster Gegensatz zum monotheletischen Christentum erschien, der die Grundlagen der Lehre über die Annahme der menschlichen Natur durch Gott das Wort faktisch sprengte. In diesem Sinne kann seine Entstehung und die nachfolgende Niederlage, die das Reich Herakleios’ von den moslemischen Arabern erlitt, im Rahmen der Entwicklung der Gedanken des Hl. Maximus als eine Art Strafe Gottes betrachtet werden, die nicht nur militär-politisch, sondern auch geistig war. Die Niederlage des monotheletischen Reiches des Herakleios, der nachfolgende Verzicht von Byzanz auf die Häresie des Monotheletismus und die Rückkehr zur Orthodoxie lassen schließen, dass die Existenz solch einer gefährlichen christologischen Häresie, welche die menschliche Natur Christi faktisch leugnete (und dies nicht einmal erkannte!) nicht gottgefällig war, so dass sogar die Entstehung einer neuen nicht-christlichen Religion und deren Eroberung umfangreicher Territorien, die einst Byzanz gehört hatten, von diesem Standpunkt nicht so schlimm erschien wie die verzerrte Ideologie des damaligen orthodoxen Reiches.
Im Ergebnis des Auftrittes des Islams auf die Bühne der Geschichte erlitt die monotheletische Byzanz Herakleios’ die heftigste Niederlage seitdem das Reich existierte. Das Projekt des Herakleios und seiner nächsten Gefolgsmänner – die Patriarchen Sergius von Konstantinopel und Kyros von Alexandria – zur Vereinigung aller Christen auf dem Boden des Monoenergismus und des Monotheletismus wurde durch die arabische Invasion ebenfalls unterbrochen, obwohl seine Verwirklichung bereits begonnen hatte[29]. Nestorianer und Monophysiten, die historisch in Persien, Syrien und Ägypten lebten und den Wunsch geäußert hatten, in eine Union mit den Byzantinern einzutreten, gerieten bald unter die Macht der Moslems. Was aber de Byzanz selbst betrifft: hier kehrte man mit der Zeit, nach dem Erleben schwerer Niederlagen, zur wahren Orthodoxie – Dyoenergismus und Dyothelitismus – zurück, nämlich durch die Vereinigung mit dem westlichen Teil des Reiches und die Wiederherstellung der Orthodoxie auf dem 6. Ökumenischen Konzil. Es war die Rückkehr zu jener Orthodoxie, für die der Hl. Maximus und seine Mitstreiter gekämpft hatten, auch wenn auf diesem Konzil seine Rolle noch nicht anerkannt wurde[30].
[1] Hier soll das Plural betonen, dass das Christentum – sowohl im 7.Jahrhundert als auch zu unserer Zeit -in Wirklichkeit nicht etwas Einheitliches darstellt, sondern eine ganze Menge von weltanschaulichen und ideologischen Alternativen darbietet.
[2] Diese Variante des Artikels enthält, im Vergleich zu ihrer Publikation in der Zeitschrift Государство, религия, церковь в России и за рубежом. № 3 / 2010, С. 144-150, Ergänzungen und Nahepräzisierungen.
[3] Zunächst verwenden wir eben diese allgemeinbekannte Bezeichnung dieser Kraft und dann werden wir nahepräzisieren, wie genau sie vom Hl. Maximus selbst wahrgenommen wurde.
[4] Zu diesem Thema s.: Hoyland Robert . Seeing Islam as Others Saw It. Princeton, 1996. P. 69-71. Unten werden wir gelegentlich vergleichen, wie die Invasion der muslemischen Arabern von dem Hl. Sophronius und dem Hl. Maximus wahrgenommen wurde.
[5] Ларше Ж.-К. Предисловие // Максим Исповедник. Письма. Пер. Е. Начинкина, сост. Г. И. Беневич. СПб., 2007. С. 59. In seiner Datierung dieses Aufsatzes verengt Larchet die Grenzen, die von einem anderen bekannten Maximus-Experten, Polycarp Sherwood, vorgeschlagen wurden (634-640), und merkt dabei an, dass im Jahre 639 die Araber bereits in Ägypten eingefallen seien, und falls der Brief 640 geschrieben worden wäre, hätte der Hl. Maximus diese Tatsache sicherlich erwähnt. Allerdings, wenn wir dieser Logik folgen, hätte der Hl. Maximus auch von solch einem, in militärischer und spiritueller Hinsicht bedeutenden Fakt, wie die Eroberung Jerusalems durch die Araber (637) erwähnen sollen. Wenn die Überlegungen Larchets wahr sind, sollte der Datierungsrahmen des Briefs des Hl. Maximus weiter verengt werden (634-637), obwohl darüber doch kein Einverständnis besteht.
[6] An ihn wurde später, etwa um 642/643, also zu Hochzeiten der Polemik mit den Monotheleten, ein theologisch-polemisches Traktat (TP) 12: PG 91, 141A-146A adressiert, in dem der Hl. Maximus den Petrus darüber belehrte, wie dieser mit dem nach Afrika ins Exil gesandten Ex-Patriarchen von Konstantinopel, dem Monotheleten Pyrrhus, um gehen sollte, nämlich ihm bis zu seiner Buße keinerlei Ehre bezeugen sollte, und schon gar nicht die des Patriarchen, da er ein Häretiker sei
[7] S. Relatio motionis I: PG 90, 112A-B, rus. Übersetzung in: Максим Исповедник. Полемика с моноэнергизмом и монофелитством. Сост. Г. И. Беневич, А. М. Шуфрин, Д. С. Бирюков. СПб., 2007. С. 160.
[8] Solche Union mit den Moniothysiten-Severianern wurde vom Patriarchen Kyros von Alexandria im Jahre 633 aufgrund der monoenergetischen Auslegung der Wendung „neue gottmenschliche Wirkung“ aus der Areopagitica geschlossen, die der Kyros und die Moniothysiten als „die einzige (d.h. ‘eine‘ gottmenschliche) Wirkung“ verstanden. Nichtsdestotrotz führten die Bemühungen des Hl. Sophronius bekannterweise zu dem Ergebnis, dass die Verbreitung der Häresie des Monoenergismus wenn auch nicht verhindert, so doch wenigstens durch einen Psêphos (Beschluss) desPatriarchen im Jahre 633) gehemmt wurde. Der Psêphos , der durch Sergius von Konstantinopel verabschiedet worden war, verbot die Verwendung der Ausdrücke „eine Energie“ und „zwei [Energien]“. Die nächste Etappe der Unionspolitik der Regierung setzte 638 ein, als Kaiser Herakleios unter dem Einfluss des erwähnten Sergius im Jahre 638 die monotheletische Ekthesesis verabschiedete (ausführlicher s.: БеневичГ. И, ШуфринА. М. Дело Максима // Максим Исповедник. Полемика с моноэнергизмом и монофелитством. СПб., 2007. C. 13-40.
[9] Hierher stammt eventuell die Behauptung über die, gegen das Staat gerichtete, Tätigkeit des Maximus.
[10] Wortwörtlich: barbarische (βαρβαρικόν).
[11] Die russische Übersetzung zit. nach: Максим Исповедник. Письма / Пер. Е. Начинкина. СПб., 2007. С. 173.
[12] Bemerkenswert ist, dass die Charakterisierung der Araber beim Hl. Maximus generell milder und lakonischer ausfällt als die der „Sarazenen“ beim Hl. Sophronius von Jerusalem, der nicht nur über ihre Wildheit, Grimmigkeit und teuflische Brutalität, sondern auch über ihre Bosheit, Gottlosigkeit, Hass gegenüber Gott spricht, er nennt sie das vom Propheten vorausgesagte „Greuel der Verwüstung“ (vgl. Dan 9,27), die ihr Unwesen gegen Christus und die Kirche treiben und vom Teufel geleitet werden, dem sie nacheifern (vgl. Hoyland Robert. Seeing Islam as Others Saw It. Princeton, 1996. P. 69-71). Das heißt, beim Hl. Sophronius wird der antichristliche Aspekt als Charakteristikum der neuen Kraft viel stärker betont als beim Hl. Maximus, bei dem dieses Merkmal in dem zu betrachtenden Brief (im Zusammenhang mit der arabischen Invasion) vorwiegend den Juden zugeschrieben wird. Es ist schwer zu sagen, inwiefern die Unterstreichung der antichristlichen Prinzipien der Sarazenen als Nachweis dafür gelten kann, dass Sophronius. über Kenntnisse des Islams als Religion verfügte. Jedenfalls konnte der Hl. Maximus, der damals in größerer Entfernung von den ins Reich eingebrochenen Arabern wohnte, vom antichristlichen Charakter der neuen Kraft nur in ganz allgemeinen Zügen wissen und hielt es nicht für notwendig, dies besonders hervorzuheben..
[13] S. Laga Carl. Judaism and Jews in Maximus Confessor's Works: Theoretical Controversy and Practical Attitude // Byzantinoslavica, Νο. 51, 1990. P. 177-188; Dagron Gilbert. Juifs et Chrétiens dans l'Orient du VIIe siècle. Travaux et Mémoires du Centre de recherche d'Histoire et Civilisation de Byzance, 11, Paris (De Boccard) 1991 (см. особенно P. 39-41); Беневич Г. И. По поводу окончания Письма VIII прп. Максима Исповедника // Максим Исповедник. Письма. СПб., 2007. C. 265-278 (der letztere Artikel ist der Einstellung des Hl. Maximus zur zwanghaften Taufe von den Juden während der Regierung des Kaisers Herakleios gewidmet, betrifft aber auch einen breiteren Kreis der Fragen nach der Einstellung des Hl. Maximus zu den Juden; er enthält auch eine kurze Bibliographie zu diesem Thema). Die Rigidität des Hl Maximus in Bezug auf die Juden hing höchstwahrscheinlich nicht nur damit, dass er den allgemeinen Charakter der antichristlichen Ausrichtung des Judaismus begriff, sondern auch mit der Rolle während des jüngsten Krieges gegen die Perser und deren Eroberung Jerusalems, zusammen. Wenn es stimmt, dass der Hl. Maximus aus Palästina stammte, konnte das, was damals in seiner Heimat geschehen war, ihn kaum gleichgültig lassen. Das wiederum konnte sich darauf widerspiegeln, was er über die Juden in Ep. 14 schrieb.
[14] S. Максим Исповедник. Письма. / Пер. Е. Начинкина. СПб., 2007. С. 173
[15] Der Hl. Sophronius betont in einigen seiner Predigten ebenfalls die Verantwortung der Christen selbst für die damals geschehenden Ereignisse, die mit der Invasion der Sarazenen zusammenhingen, doch wird bei ihm davon in der allgemeinen Form gesprochen, ohne besonderen Akzent auf die Sünde der Glaubensschwankungen zu legen (s. Hoyland Robert. Seeing Islam as Others Saw It. Princeton, 1996. P. 69-71).
[16] Die russische Übersetzung zit. nach : Максим Исповедник. Письма / Пер. Е. Начинкина. СПб., 2007. С. 175
[17] Die russische Übersetzung ebenda.
[18] Die russische Übersetzung ebenda.
[19] Vgl. die noch entschlossenere Behauptung darüber, dass der Hl. Maximus die eingebrochenen Araber als Träger einer neuen Religion nicht betrachtete, in : Karl Heinz Öhlig. „Hinweise auf eine neue Religion in der christlichen Literatur unter islamischer Herrschaft,“ // Der frühe Islam. Eine historisch-kritische Rekonstruktion anhand zeitgenössischer Quellen. Berlin, 2007. P. 241.
[20] Selbstverständlich ist eine derartige Auslegung hypothetisch, denn die Urteile Gottes sind uns nicht bekannt, und ein Anspruch, sie zu begreifen, wäre von unserer Seite zu anmaßend. Allerdings können wir in Anlehnung an die Schreiben der Heiligen (in diesem Falle des Hl. Maximus) und an die Tradition der Kirche hin wagen, diesbezüglich eine Vermutung zu äußern.
[21] Die russische Übersetzung von D. Afinogenow zit. nach : ДиспутсПирром . Прп. Максим Исповедник и христологические споры VII столетия / Отв. ред. Д. А. Поспелов. М., 2004. С. 161.
[22] Ebenda.
[23] Vgl. ebenda.
[24] Über diesen Aspekt der Lehre des Hl. Maximus s. Ambigua ad Ioannem : Ambigua 7: PG 91, 1076B-C; rus. Übers. von A.M. Schufrin (А. М. Шуфрин) und auch seine Scholien zu dieser Stelle in Полемика с моноэнергизмом и монофелитством. СПб., 2007. С. 251-253; 331-342.
[25] Ich danke A.M. Schufrin, mit dem ich zu diesem Thema fruchtbare Erörterungen hatte und der mich auf diesen Aspekt der Lehre des Hl. Maximus aufmerksam machte.
[26] S., z.B., [Disput mit Pirrhus] ДиспутсПирром . Прп. Максим Исповедник и христологические споры VII столетия / Отв. ред. Д. А. Поспелов. М., 2004. С. 161-163.
[27] Das Fehlen solcher paradoxaler und für das Verständnis komplizierter Lehren im Islam, wie der Lehre über die Vereinigung der zwei Naturen – der Göttlichen und der menschlichen – in einer Person, sowie auch der Lehre über die Dreiheit in der Einheit und der Einheit in der Dreiheit, die für das Christentum charakteristisch ist, machte, wie mehrmals bemerkt wurde, den Islam für die „Wüstenwilden“ viel zugänglicher als das Christentum. Das förderte seine schnelle Verbreitung, was seinerseits auch auf die Militärerfolge der Moslems, die von der Religion des Propheten inspiriert wurden, beeinflusste.
[28] Es ist nicht auszuschließen, dass, wie es bei Gegensätzen häufig der Fall ist, der Monotheletismus und der Islam bei etwas wesentlichem, was das System der Gott-Mensch-Beziehung betrifft, gleich sind.
[29] So hatten 628 erfolgreiche Verhandlungen stattgefunden zwischen Kaiser Herakleios und dem nestorianischen Katholikos Eschujow II., welcher mit der Lehre des Monoenergismus zufrieden gewesen war und eine Liturgie in der orthodoxen Kirche zelebriert hatte, bei der Herakleios die Heilige Kommunion empfangen hatte (s. JohnMeyendorff : Imperial Unity and Christian Divisions, New York 1989, S. 342). Später, im Jahre 633, war in Alexandria eine Union mit Monophysiten geschlossen worden. Die Politik einer Union mit den armenischen Monophysiten war ebenfalls aktiv betrieben worden. Über die Besonderheiten der nestorianischen Lehre, die ihren Nachfolgern ermöglichten, die monotheletische Union aufzunehmen, s. in: БеневичГ. И. Несторий // Антология восточно-христианской богословской мысли. Ортодоксия и гетеродоксия: В 2-х т. / Под науч. ред. Г. И. Беневича и Д. С. Бирюкова; сост. Г. И. Беневич. М., СПб., 2009. Т. 1. С. 531-543; über den Monothelitismus der Monophysiten s. in: Hovorun C. Will, action and Freedom. Christological Controversies in the Seventh Century. Leiden, Boston, 2008. (The Medieval Mediterranean 77).
[30] S. БеневичГ. И, ШуфринА. М. Дело Максима // Максим Исповедник. Полемика с моноэнергизмом и монофелитством. СПб., 2007. С. 118-139.
Benevich, Grigory